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Zeitzeugen und "Oral History"

Jahrhundertelang wurde - in manchen Teilen der Welt ist dies noch heute so - Geschichte ausschließlich mündlich tradiert. Mit der zunehmenden Alphabetisierung immer größerer Teile der Bevölkerung, die vor allem Ende des Mittelalters (ca. 16. Jahrhundert) einsetzte, verließ man sich zunehmends auf schriftliche Quellen. Zwar war es nun gerade für Historiker weitaus einfacher, an notwendige Informationen zu gelangen, andererseits geriet die so genannte "Mündliche Geschichte" vor allem in der Wissenschaft zunehmend ins Hintertreffen. Erst in jüngster Zeit und mit der Möglichkeit, Stimme und Bild von Zeitzeugen auf (Bild-)Tonträgern festzuhalten, wurde die Methode der so genannten "Oral History" als Forschungsmethode auf ein breite Basis gestellt.

Wörtlich übersetzt bedeutet Oral History "Mündliche Geschichte". Gemeint ist damit eine während eines Gesprächs oder auch Interviews durch den Zeitzeugen erinnerte und mündlich dargestellten Vergangenheit. Ziel der "Oral History" ist es, subjektive Erfahrungen von Menschen in Form von Interviews oder auch anderen - so genannten "autobiographischen" (ein Beispiel wäre etwa das berühmte "Tagebuch der Anne Frank") - Zeugnissen abzufragen. Das Interessante an der Zeitzeugenbefragung ist, dass sie uns einen völlig neuen Blick auf die Vergangenheit eröffnet. Geschichte wird lebendig und emotionaler und damit auch unmittelbar. Dem Leser, Zuhörer oder Zuschauer wird es leichter gemacht, sich in den Zeitzeugen einzufühlen und sich in das Erzählte hineinzuversetzen, wobei es natürlich auch immer darauf ankommt, welche Fragen vom Interviewer gestellt werden.

Aus diesem Grund ist die "Oral History" auch als Methode nicht ganz unumstritten. Man wirft ihr vor, zu subjektiv und zu sehr steuerbar zu sein. Es ist daher sehr wichtig, immer quellenkritisch an die Interviews heranzugehen. Quellenkritik heißt, dass man die Information, die man aus der Quelle - in dem Fall das Interview oder die Autobiographie - erhält, nicht als hunderprozentige historische Realität annehmen darf, ohne andere Quellen hinzu zu ziehen. Das "Problem" ist nämlich, dass die aktuelle und im Interview wiedergegebene Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis in der Vergangenheit von all jenen Dingen, die seitdem von dem Befragten erlebt wurde, geprägt wurde. Wichtig ist dennoch, dass bei einem Zeitzeugeninterview immer der Interviewte und dessen Erinnerung im Mittelpunkt steht und es bei einem "Oral History"-Projekt nie um das Abfragen historischer Fakten gehen darf.

Quellen:

Canadian Oral History Association (abgerufen am 24.02. 2010)

Tutorium zum Thema "Oral History" an der Uni Konstanz (abgerufen am 24.02. 2010)

Methode der "Oral History" auf der Homepage des Projekts Kazan Memory (abgerufen am 24.02. 2010)

Überblick über die Methode der  "Oral History", KFU Graz (abgerufen am 24.02. 2010)

Links und Literatur:

Step-by-Step Guide to Oral History (komplett auf Englisch)

Das Vermächtnis - 13 Videos von Interviews mit Holocaust-Überlebenden

Persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen aus 1968 (Österreichische Mediathek)

Boll, Friedhelm [Hrsg.] : Gedenkstättenarbeit und Oral History : lebensgeschichtliche Beiträge zur Verfolgung in zwei Diktaturen. Berlin: Verlag Spitz, 1999.

Bauer, Ingrid : Welcome Ami Go Home : die amerikanische Besatzung in Salzburg 1945 - 1955 ; Erinnerungslandschaften aus einem Oral-History-Projekt. Salzburg [u.a.] : Pustet, 1998.

Botz, Gerhard [Hrsg.]: Schweigen und Reden einer Generation : Erinnerungsgespräche mit Opfern, Tätern und Mitläufern des Nationalsozialismus. Wien: Mandelbaum-Verlag, 2007.

Ausschnitte aus dem Film "Agnes Primocic - Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht" Über die Widerstandskämpferin Agnes Primocic aus Hallein und ihren Einsatz für Menschlichkeit, Toleranz und Gerechtigkeit. Ein Film von Uwe Bolius und Robert Angst (2002).

Video Teil 1:

Video Teil 2:


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