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Piraten

Sind Totenkopfflaggen, Säbelrasseln und Kanonen alles Legenden aus längst vergessener Zeit? Sind Piratenabenteuer, Seeräubertum, Lösegeldforderungen und Geiselnahmen ein bloßer klischeehafter Teil von Filmen wie „Fluch der Karibik"?

Piraterie ist ebenso alt wie die Schifffahrt selbst. Doch moderne Piraterie hat wenig mit Seeräuberromantik am Hut. Unberechenbare Angriffe schwer bewaffneter Piraten auf internationale Frachter gefährden die internationale Schifffahrt. Opfer der modernen Piraterie sind nicht kleine Schifferboote sondern große Fracht- und Containerschiffe und Rohöltanker auf strategischen, stark befahrenen Handelsrouten. Die Angreifer selbst verfügen über die modernste Technik - von Schnellbooten und Granaten bis zu Hubschraubern - und wenden massive Gewalt an. Hauptmotiv für Piraterie ist die persönliche Bereicherung.
Zu den besonders gefährdeten Gebieten weltweit zählen:

  • Süd-Ost-Asien: Bangladesh, Straße von Malakka zwischen Malaysia und Indonesien, Philippinen, Straße von Singapur, Vietnam, Golf von Thailand
  • Afrika: Nigeria, Ghana, Tansania, Golf von Aden
  • Südamerika und Karibik: Venezuela, Brasilien

Während das Seeräubertum in den meisten Weltregionen durch den Abschluss regionaler Abkommen eingedämmt werde konnte, lässt sich vor der Küste Somalias ein wahrer Seeräuber-Boom feststellen.



Zum Beispiel: Piraterie vor der Küste Somalias

In letzter Zeit ist ein starker Anstieg von gekaperten Schiffen im Indischen Ozean und im Golf von Aden zwischen Somalia und Jemen zu verzeichnen. Diese wichtige Handelsstraße wird jährlich von etwa 20.000 Schiffen, häufig mit milliardenteurer Fracht, passiert. Der alternative Seeweg um das Kap der guten Hoffnung ist 2- bis 3-mal länger als durch den ägyptischen Suez-Kanal. Höhere Transportkosten und Versicherungsprämien und eine mögliche Verteuerung importierter Waren zwingen die internationale Gemeinschaft zum Handeln.

Derzeit wird im Rahmen der Anti-Piratenmission EU NAVFOR ATALANTA und der Anti-Terror Operation „Enduring Freedom" aktiv gegen Piraterie vor der Küste Somalias vorgegangen. Diese Missionen sollen die Seewege sichern, zivile Schiffe schützen und verdächtige Boote identifizieren. Die Strafverfolgung der festgenommenen Piraten findet trotz Protesten von Menschenrechtsorganisationen aufgrund der fehlenden Rechtssicherheit vor einem internationalen Tribunal in Kenia statt. Doch trotz der Präsenz europäischer Kriegsschiffe und der NATO gibt es keine Sicherheit für die internationale Schifffahrt. Denn die Ursachen des Anstiegs der Piraterie, die in der gescheiterten Staatlichkeit Somalias liegen, blieben bisher unbehandelt.

Internationale Fangflotten nutzten die chaotische politische Situation in Somalia und die fehlende Überwachung der Küste, um die Gewässer illegal leer zu fischen. Den einheimischen Fischern wurde damit ihre Lebensgrundlage entzogen. Illegale Ablagerungen von Giftmüll und nuklearen Abfällen vor der Küste gefährden die Gesundheit der Somalis. Da keine staatlichen Strukturen zur Hilfe der Bevölkerung zur Verfügung stehen, greifen viele Einheimische zum Mittel der Selbstjustiz - in diesem Fall die Piraterie. Die Piraten handeln jedoch nicht nur aus Gegenwehr, sondern auch Banden finanzieren mithilfe der Piraterie den somalischen Bürgerkrieg.
Die strukturellen Ursachen des Problems der Seeräuberei sind nicht auf hoher See, sondern am Festland zu suchen. Doch der Aufbau staatlicher Strukturen und einer funktionierenden Küstenwache ist nicht mit Kriegsschiffen, sondern nur über politischen, sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau mit internationaler Hilfe möglich.

(akr)

Links und Lesetipps

Stiftung Wissenschaft und Politik: Piraten
http://www.swp-berlin.org/ (abgerufen am 14.10.2009).

Spektakuläre Zunahme der Piraterie vor Somalia: http://www.youtube.com/watch?v=IKJv2f0Q9Yg (abgerufen am 14.10.2009 um 10:00)

Spiegel TV - Anti-Piraterie-Einsatz am Horn von Afrika: http://www.youtube.com/watch?v=t1IjIscoAsI (abgerufen am 14.10.2009 um 10:05).

Piraten vor Somalia bedrohen die Weltwirtschaft: http://www.youtube.com/watch?v=WIznwB4r5ME&feature=related (abgerufen am 14.10.2009 um 10:10).

Politik direkt: Schwere Mission - Piratenjagd im Golf von Aden: http://www.youtube.com/watch (abgerufen am 14.10.2009 um 10:20).

Maritime Security Centre
http://www.mschoa.org/ (abgerufen am 14.10.2009).

EU NAVFOR European Union Naval Force Somalia - Operation Atalanta
http://www.eunavfor.eu/ (abgerufen am 14.10.2009).

 

Quellen

International Maritime Bureau IMB: Piracy Reporting Centre
http://www.icc-ccs.org (abgerufen am 14.10.2009).

Martin Janata (2009): Die vielen Gesichter von Somalias Piraten. Die Bekämpfung der Piraterie im Golf von Aden. In: International. Die Zeitschrift für internationale Politik, II/2009, S. 13-16.

Günther Maihold; Kerstin Petretto (2008): Gefahrenabwehr auf See. Piraterie an der Küste Somalias - nationale und internationale Antworten, SWP Aktuell 56, Juni 2008, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, S. 1-4; http://www.swp-berlin.org/common (abgerufen am 14.10.2009).

Bildquelle 1: wikipedia.org (abgerufen am 14.10.2009 um 11:00).

Bildquelle 2: commons.wikimedia.org (abgerufen am 13.10.2009 um 17:00).


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