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VeteranInnen

KriegsveteranInnen (lat.: vetus = alt) sind ehemalige Kriegsteilnehmer.

Neben physischen Verletzungen leiden viele VeteranInnen an psychischen Problemen. Das im Krieg Erlebte – andere Menschen zu töten, den Tod von KameradInnen mitzuerleben und selbst in Todesgefahr zu schweben – ist nur schwer zu verarbeiten. Nach wie vor fehlt jedoch meist die professionelle Hilfe. VeteranInnen werden mit ihren Erinnerungen und den damit verbundenen Gefühlen von Schuld, Wut und Hilflosigkeit allein gelassen.

Schützengrabenneurose

Psychische Störungen bei Kriegsveteranen waren schon im Ersten Weltkrieg bekannt. Bezeichnet wurden sie damals als Granatenschock, Kriegszittern oder Schützengrabenneurose: nervöse Erschöpfungszustände, Aggressionen und andere psychische Probleme, an denen die Soldaten nach dem Krieg litten, führte man auf das tagelange Liegen unter Beschuss im engen Schützengraben zurück. Wissenschaftlich untersucht sowie anerkannt sind die psychischen Auswirkungen auf Kriegsveteranen erst seit 1980, als detaillierte Forschungsergebnisse zu Vietnamkriegsveteranen vorlagen (Post Vietnam Syndrome).

Posttraumatische Belastungsstörungen 

Heute spricht man von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Sie entstehen als (verzögerte) Reaktion auf traumatische Erlebnisse und umfassen unterschiedliche psychische und psychosomatische Symptome, die oft erst lange nach Ende des Einsatzes auftreten:

  • wiederkehrende, belastende Erinnerungen (sogenannte Flashbacks, in denen die Traumata nacherlebt werden)
  • Nervosität
  • Angstzustände
  • Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • Albträume
  • Depressionen
  • emotionaler Rückzug
  • Selbstmord
Die Sterblichkeitsrate von Vietnamveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen lag laut einer Studie der New York Academy of Medicine aus dem Jahr 2005 doppelt so hoch wie die anderer Veteranen. Im Vergleich besonders hoch ist die Zahl nicht-natürlicher Todesfälle durch Suizid, Mord oder Unfälle.

Soziale Folgen

Nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg  haben viele VeteranInnen Schwierigkeiten, sich in die Gesellschaft zu reintegrieren und in ein normales Alltagsleben zurückzufinden. Familien zerbrechen, die Betroffenen verlieren zunehmend an gesellschaftlichem Halt. Die Folgen können vielfältig sein:

  • soziale Isolation
  • Alkoholismus
  • Drogenmissbrauch
  • Armut
  • Arbeitslosigkeit
  • Obdachlosigkeit

Rund 23 Prozent der Obdachlosen in den USA sind ehemalige Soldaten, knapp die Hälfte davon Vietnamveteranen. Die "National Coalition for Homeless Veterans" geht von etwa 400.000 ehemaligen Soldaten aus, die heute auf der Straße leben.

KriegsveteranInnen heute

Eine vom Pentagon in Auftrag gegebene Studie zur "geistigen Gesundheit der kämpfenden Truppen", die im Jahr 2003 im "New England Journal of Medicine" erschien, kam zu folgendem Ergebnis: Zweihunderttausend Männer und Frauen, die im Irak als SoldatInnen gedient haben, benötigen psychologische Hilfe. Demnach kamen ein Drittel der IrakkriegsveteranInnen traumatisiert vom Krieg zurück. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Unter Angehörigen der Deutschen Bundeswehr gab es allein zwischen 1996 und 2005 offiziell 640 Fälle von posttraumatischen Belastungsstörungen. Auch hier kann man von einer weit höheren Dunkelziffer ausgehen.

Instrumentalisierung von VeteranInnen

Die Erfahrungen der vom Krieg heimgekehrten SoldatInnen können sich negativ auf die Einstellung der Bevölkerung  zum Krieg auswirken, wenn die wahren Ausmaße und Bedeutungen des Krieges bewusst gemacht werden. Aus diesem Grund bemühen sich viele PolitikerInnen und Militärs, KriegsveteranInnen für ihre Zwecke zu instrumentalieren. Exemplarisch werden Orden verliehen, KriegsveteranInnen als Helden stilisiert und medial inszeniert, während ihnen die Hilfe, die sie brauchen würden, verwehrt bleibt. (red)

Filmtipp

Weiße Raben – Alptraum Tschetschenien. Ein Film von Johann Feindt und Tamara Trampe. Deutschland 2005.
Dokumentarfilm über russische Tschetschenienkriegsveterane.

Quellen

National Coalition for Homeless Veterans

The New England Journal of Medicine

Jörn Thiessen: "Verteidigungsministerium soll vorhandene Expertise besser nutzen". URL: http://www.spd-net-sh.de/net/index.php?mod=article&op=show&nr=3942. Veröffentlicht am 1.10. 2006 (abgerufen am 5.5. 2010)

Joseph Boscarino: "Posttraumatic stress disorder and physical illness". URL: http://www.nyam.org/news/2556.html. Aktualisiert am 7.9. 2005 (abgerufen am 6.5. 2010)

Wikipedia: Posttraumatische Belastungsstörung. Bearbeitungsstand: 5.5. 2010, 06:57 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Posttraumatische_Belastungsst%C3%B6rung&oldid=73980327 (abgerufen am 5.5. 2010, 22:01 UTC)


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