Projekte

Aktuelles:

Pioniri

Startseite Folgen Wirtschaft Schäden an öffentlicher Infrastruktur  

Zerstörung von Verkehrsverbindungen

Ziel der Zerstörung von Verkehrsverbindungen im Krieg ist nicht nur die Behinderung militärischer Aktionen, sondern auch die Zerstörung der natürlichen Kommunikationswege und des wirtschafltichen Austausches.

Am Beispiel: Die Brücke von Mostar

Stari Most – die alte Brücke – war seit ihrer Errichtung im Jahr 1557 die einzige Möglichkeit, in der Stadt Mostar den Fluss Neretva zu überqueren. Aus diesem Grund hatte sie eine besondere verkehrstechnische und wirtschaftliche Bedeutung. Sie verband den östlichen und westlichen Teil der Stadt Mostar und war darum auch von besonderer Bedeutung für das Zusammenleben der ethnisch durchmischten Stadtbevölkerung. So gab es in Mostar z. B. nur ein Krankenhaus, und zwar im Westen der Stadt, was die Brücke zur Voraussetzung der medizinischen Versorgung der vorwiegend bosnischen Bevölkerung im Osten der Stadt machte. In diesem Sinne wurde die Brücke auch oft als Symbol des Friedens zwischen der kroatisch-christlichen Bevölkerung im Westen und der bosnisch-muslimischen Bevölkerung im Osten der Stadt dargestellt .

Zwar kam es auch in Titos Jugoslawien zu Unterdrückung einzelner Volksgruppen, doch der Nationalismus konnte sich bis zum Ende der 80er Jahre nicht als bedeutende Kraft in der jugoslawischen Politik etablieren. Das bedeutete auch für Mostar ein relativ friedliches Zusammenleben der serbischen, kroatischen und bosnischen Volksgruppen. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks verschärfte sich die politische und wirtschaftliche Krise der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Viele Menschen revoltierten gegen die sich verschlechternde soziale Situation. Um die eigene Herrschaft abzusichern, setzten die herrschenden Eliten der einzelnen Republiken auf den Nationalismus. In Mostar kam es bereits 1992 zu nationalistisch motivierten Morden und Vergewaltigungen an SerbInnen.

Bereits im Frühjahr 1992 wurden aus Mostar die Angehörigen der serbischen Volksgruppe (1991 waren das rund 19 % der Stadtbevölkerung) vertrieben. Als Reaktion auf die Unabhängigkeitserklärung Bosniens und Herzegowinas wurde die Stadt zwischen 1992 und 1993 wiederholt von der Jugoslawischen Volksarmee bombardiert. Ab 1993 kam es in der Stadt zu heftigen Kämpfen zwischen KroatInnen und BosniakInnen. Am 9. November zerstörte kroatische Artillerie die Stari Most um den bosnischen Truppen den Nachschub abzuschneiden und machte damit Mostar endgültig zur gespaltenen Stadt. Die bosnischen Milizen hielten bis 1995 das Ostufer der Stadt und teilweise auch große Teile des Westufers. Die kroatische Armee reagierte darauf mit schwerem Beschuss der Stadt. Mehrere Tausend Menschen wurden beim Kampf um Mostar getötet. Ein großer Teil der Infrastruktur und der historischen Altstadt wurden zerstört. Die Kämpfe hielten bis zum Rückzug der kroatischen Truppen (1995) an.

Nur ein Bruchteil der 1993 vertriebenen SerbInnen kehrte nach dem Krieg in die Stadt zurück. Die Brücke von Mostar wurde 2003 neu errichtet, doch die Spaltung in der Bevölkerung hält bis heute an. Es gibt noch immer keinen öffentlichen Verkehr über die Brücke. Die Menschen im Westen und im Osten der Stadt haben unterschiedliche Telefonvorwahlen. Es gibt kaum soziale Kontakte zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen östlich und westlich der Stadt. Bis heute ist die überwiegende Mehrheit der ehemaligen serbischen Bevölkerungsgruppe nicht wieder in die Stadt zurückgekehrt. (jr)

Links und Lesetipps

www.hercegbosna.org/engleski/war2.html 

Quellen

Wikipedia: Stari most.

Erik Eberhard: Politische Strömungen der Arbeiterbewegung I. Radikale Strömungen der Arbeiterbewegung, S. 28. (PDF: 1,4 MB)

Ian Traynor: Bridge opens but Mostar remains a divided city. In: The Guardian, 23. Juli 2004.

Bildquelle: commons.wikimedia.org und commons.wikimedia.org

 


Sponsoren Bundesministerium für Bildung und Frauen Stadt Salzburg Land Salzburg Berghof Foundation Elfi-Gmachl-Stiftung Youth in Action - Jugend in Aktion