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Verhandlungen in internationalen Konflikten

Verhandeln bedeutet laut Webster's New Collegiate Dictionary, "sich mit der Absicht einer Einigung begegnen; sich hinsichtlich der Grundlage einer Einigung beraten".   Rubin und Brown wiederum definieren Verhandeln als "den Prozeß, in dem zwei oder mehr Parteien festzulegen versuchen, was jede von ihnen in einer Transaktion geben und nehmen oder leisten und erhalten wird."   Beide Definitionen heben hervor, dass es sich in jedem Fall um einen Prozess des Gebens und Nehmens handelt, der ein Ergebnis (Festlegung, Endpunkt) erzeugt. 

Die beste Ausgangssituation für Verhandlungen bietet der Zeitraum zwischen dem Ende der Gewaltphase (Conflict Settlement) und der Konfliktlösung (Conflict Resolution). Verhandlungen beruhen auf einem Konfliktlösungsprozess, in dem die Parteien und/oder ihre Stellvertreterinnen auf effektive Art einen Konflikt zu lösen versuchen und nicht nur danach streben, die andere Partei zu erobern oder eigene Vorteile zu erwirtschaften. Der Begriff "Verhandlung" steht für verschiedene Formen der Konfliktbeilegung, die im Rahmen einer Dritt-Partei-Intervention, aber auch auf Eigeninitiative der Konfliktparteien geschehen können. Die Fälle von direkter Begegnung finden in internen Konflikten jedoch nur sehr selten statt, im Gegenteil: zumeist versuchen die Parteien ihre Ziele und Interessen durchzusetzen, bevor sie beginnen zu verhandeln.

Verhandeln heißt auch, Beziehung zu schaffen

Erfolgreiches Verhandeln bezieht neben Fragen von Strategie und Taktik auch Aspekte der Beziehungen zwischen den VerhandlungspartnerInnen, Werte, Annahmen, Emotionen oder kulturelle Prägungen mit ein.

In der politischen Praxis unterscheidet man verschiedenste Formen von Verhandlungen:

  • Die traditionelle, offizielle Diplomatie (Track I-Diplomacy) umfasst jene Initiativen, die von Staaten und internationalen Organisationen in einem Konflikt unternommen werden.
  • Die Track II-Diplomacy wird durch NGOs, Individuen (beispielsweise kirchliche Führer oder ehemalige politische EntscheidungsträgerInnen) oder Vereine durchgeführt. Diese Akteure verfügen über keine offizielle Funktion, sie können dank ihrer Persönlichkeit in einem Konflikt intervenieren.
  • Track III-IX oder Multi-Track-Diplomacy ist eine Erweiterung der Track II-Diplomacy  durch dritte Personen aus Gesellschaftsbereichen, die den jeweiligen sozialen Konflikten entsprechen (z.B. Wirtschaft, Privatpersonen, Forschung, Bildungswesen, Religion, Stiftung und Öffentlichkeit).
  • Unter Mediation bzw. Vermittlung zwischen den Konfliktparteien versteht man den Versuch der Findung einer friedlichen Konfliktbeilegung durch eine Dritt-Partei. Dabei ist die absolute Nichtparteilichkeit der MediatorInnen und die Freiwilligkeit der Konfliktparteien unabdingbar. Mediation kann sowohl im zivilgesellschaftlichen Kontext als auch in zwischenstaatlichen Konflikten praktiziert werden.
  • "Convocation" ("Einberufung") ist eine erweiterte Form von Verhandlungen. Dabei geht es um die Organisation einer Konferenz zwischen allen Konfliktparteien (Regierungen und oppositionellen politischen Parteien bzw. Rebellengruppen), um ein verbindliches Abkommen für alle Parteien zu erzielen.
  • Interaktive Konfliktlösung ist ein inoffizieller Ansatz, der einflussreiche, informelle VertreterInnen von Parteien, die miteinander in Konflikt stehen, zusammenbringt und insbesondere bei tief verwurzelten und ethno-politischen Konflikten eingesetzt werden kann.
  • Vertrauensbildende Maßnahmen zielen auf Aspekte von Verlässlichkeit oder Berechenbarkeit der Konfliktparteien ab und dienen dazu, Spannungen nicht aufkommen zu lassen oder abzubauen. (red)

Links, Lesetipps und Quellen:

Gert Sommer, Albert Fuchs. Krieg und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie. Beltz-Verlag, Weinheim, Basel, Berlin 2004.

Glasl, Friedrich. Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater, Bern: Haupt. 2002.

Koppe, Karlheinz. Geschichte der Friedens-und Konfliktforschung; in Imbush Peter/Ralf Zoll: Friedens- und Konfliktforschung, Opladen: Leske + Budrich, 1999.

Uli Jäger. Soft Power. Wege ziviler Konfltikbearbeitung. Ein Lern- und Arbeitsbuch für die Bildungsarbeit und den Unterricht. Verein für Friedenspädagogik Tübingen e. V., Tübingen 1996

Anita Bilek. Wilfried Graf. Helmut Kramer (Hrsg.). Welcher Friede. Lehren aus dem Krieg um Kosovo. Agenda Verlag, Münster 2000

Institute for Integrative Conflict Transformation and Peacebuilding (abgerufen am 30.12.2009)

Hessische Stiftung für Frieden und Konfliktlösung (abgerufen am 30.12.2009)

Wissenschaft&Frieden (abgerufen am 30.12.2009)

Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (abgerufen am 30.12.2009)

Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden (abgerufen am 30.12.2009)


Sponsoren Bundesministerium für Bildung und Frauen Stadt Salzburg Land Salzburg Berghof Foundation Elfi-Gmachl-Stiftung Youth in Action - Jugend in Aktion