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Terroristen

Eine Frage, die sich jede/r ZeugIn und jedes Opfer eines terroristischen Aktes stellt, ist: Wer sind diese Personen, die hinter solchen Gräueltaten stehen? Was sind die Hintergründe, Lebensereignisse und Persönlichkeitseigenschaften, die Menschen zu einem Beitritt in eine terroristische Organisation motivieren?

Aufgrund der Unverständlichkeit terroristischer Anschläge gelten ihre Verursacher, die TerroristInnen, oft als anomal. Für viele sind sie entweder geistig gestört oder psychisch krank. Doch die "terroristische Person" als PsychopathIn zu sehen, ist zu einseitig und keinesfalls zufriedenstellend. Außerdem liegt die Hemmschwelle für Gewalttätigkeit wesentlich niedriger, als einem lieb ist.     Das bekannte Milgram-Experiment veranschaulicht die Gehorsamsbereitschaft und Gewaltbereitschaft von Menschen in bestimmten Autoritätsbeziehungen.

Die Ursachen können psychologischer, politischer, gesellschaftlicher und struktureller Natur sein und sich außerdem wechselseitig beeinflussen.

Zusammenfassend gibt es keine terroristische Persönlichkeit. Keine/r wird als TerroristIn geboren, somit scheint die Betrachtung des sozialen Umfelds, besonders der terroristischen Gruppe, einen Erklärungsansatz für psychologische Ursachen zu liefern.

Eine terroristische Gruppe ist wie jede andere Gruppe durch normale psychologische Prozesse gekennzeichnet: Die Gruppenzugehörigkeit wirkt identitätsstiftend, die Gruppe stellt einen Familienersatz mit eigenen Normen und Werten dar. Terroristische Gruppen operieren im Untergrund, wodurch diese Gruppeneffekte noch zusätzlich gestärkt werden. Gehört man einer terroristischen Gruppe an, ist der Einfluss und die Macht der Gruppe auf die einzelnen Mitglieder sehr hoch. Die Verantwortung über das eigene Handeln und Leben wird der Gruppe übergeben, wodurch sich die erhöhte Gewaltbereitschaft erklären lässt.    

Die Gehorsamsbereitschaft ist eine wichtige Voraussetzung für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten terroristischen Organisation, welche "die moralischen und ethischen Barrieren gegen grenzenlose Aggression und Destruktivität bis hin zur Selbstzerstörung obsolet werden lässt."     Besonders Jugendliche sind anfällig, sich terroristischen Gruppierungen anzuschließen. Auf der Suche nach Identität und Integrität in einer Welt, die es nicht immer gut mit einem meint, erfüllt ihnen die Gruppe neben materiellen Bedürfnissen auch emotionale, kognitive und soziale. Die Abgeschiedenheit vom "natürlichen Umfeld" führt zum Aufbau einer Scheinwelt mit eigenen Riten und Symbolen sowie zur eingeschränkten Sichtweise der Welt als Gut (Gruppenmitglieder oder SympathisantInnen) und Böse (die restliche Welt).

Hinsichtlich der politischen Ursachen wird in der Literatur auf den Zusammenhang zwischen Demokratien und Terrorismus hingewiesen. Demokratien begünstigen das Auftreten von Terrorismus. Kennzeichen der Demokratie wie Freiheits- und Mitbestimmungsrechte liefern eine bessere Basis für terroristische Aktivitäten. Ferner bietet die Meinungs- und Pressefreiheit einen geeigneten Resonanzraum für Anschläge. Die Strafverfolgung von TerroristInnen wird in autoritären Systemen härter betrieben als in Demokratien.

In Hinblick auf gesellschaftliche und strukturelle Ursachen sehen viele Theoretiker wie Guevara Unterdrückung und Elend als Ursprung von Terrorismus. Unter Betrachtung der Roten Brigaden oder die RAF zeigt sich, dass sich Terrorismus ebenfalls unter den Rahmenbedingungen von Wohlstand und Freiheit entwickeln kann. Hier gehen terroristische Aktivitäten nicht von den Unterdrückten und Armen aus, sondern von der gehobenen Mittelschicht.   

Quellen

Christian Büttner: Mit Gewalt ins Paradies. Psychologische Anmerkungen zu Terror und Terrorismus. In: HSFK-Standpunkte. Beiträge zum demokratischen Frieden. Nr. 7/2001

Christine Hirtl: Psychologische Aspekte des Terrorismus. Salzburg: 2001

Hessische Stiftung für Frieden und Konfliktlösung

Wissenschaft & Frieden

Komitee für Demokratie und Grundrechte

Sabine Adler: Ich sollte als Schwarze Witwe sterben. Die Geschichte der Raissa und ihrer toten Schwestern. Deutsche Verlags- Anstalt. München. 2005 

Bildquelle: www.sxc.hu


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