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Friedensbewegung

Als PazifistInnen gelten Menschen, die Gewalt als Mittel der Politik und damit auch bewaffnete Streitkräfte strikt ablehnen. Die Zusammenschlüsse solcher Menschen in Gruppen werden als Friedensbewegungen bezeichnet. Es gibt auch Positionen in der Friedensbewegung, die zwar aktiv für Entspannung, völkerrechtliche Verträge und militärische Abrüstung eintreten, jedoch Selbstverteidigung und Rüstung nicht prinzipiell ablehnen.

Von einer internationalen Friedensbewegung spricht man öffentlich seit etwa 1900, als auch der Begriff des Pazifismus geprägt wurde. Doch bereits im 19. Jahrhundert gründeten sich pazifistische Gruppen mit dem Ziel, Kriege einzudämmen oder zu verhindern. Es gab internationale Friedenskongresse, so 1843 in London, 1848 in Brüssel, 1849 der erste große internationale Friedenskongress in Paris und 1850 ein Friedenskongress in Frankfurt am Main. Hauptziel dieser Zusammenkünfte war die Entwicklung eines Völkerrechts und Schaffung eines überstaatlichen Schiedsgerichts, um Kriege und bewaffnete Konflikte zu vermeiden.

Berta von Suttner (1843 - 1914)

Eine der bekanntesten VertreterInnen des Pazifismus aus erster Stunde ist die Österreicherin Bertha von Suttner. In ihrem 1891 erschienenen Roman „Die Waffen nieder" beschreibt Suttner die Amoralität und Brutalität des Krieges, um der zunehmenden Militarisierung im deutschen Kaiserreich sowie der österreichisch-ungarischen Monarchie entgegenzuwirken.

Suttner gründete nach der Österreichischen Friedensgesellschaft mit dem Pädagogen Alfred Hermann Fried zusammen 1892 in Berlin die Deutsche Friedensgesellschaft, die älteste noch bestehende deutsche Vereinigung von Kriegsgegnern. Beiden Gründern wurde 1905 der Friedensnobelpreis zuerkannt, den Alfred Nobel, ein mit von Suttner befreundeter Wissenschaftler, zuvor gestiftet hatte. Auch der Gründer des Roten Kreuzes, der Schweizer Arzt Henry Dunant, war Pazifist. Er erhielt gemeinsam mit dem Berner Friedensbüro später ebenfalls den Friedensnobelpreis.

Zwei Weltkriege als Rückschlag

Die pazifistischen Bewegungen konnten freilich den 1. Weltkrieg nicht verhindern, sie gewannen nach 1918 aber zeitweise eine Massenbasis und organisierten gemeinsame Aktionen gegen Aufrüstung, Wehrpflicht und Krieg wie den jährlichen Antikriegstag. Überdies wurde 1919 der Völkerbund gegründet, eine Art Vorläuferorganisation der Vereinten Nationen, mit dem Ziel, Konflikte zwischen Staaten friedlich beizulegen. Freilich auch hier wieder mit wenig Erfolg. Die Machtergreifung durch Adolf Hitler in Deutschland und dessen Aggressionspolitik führten in den 2. Weltkrieg.

In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur wurden die Organisationen der Friedensbewegung verboten, ihre VertreterInnen vielfach inhaftiert und ermordet oder ausgebürgert. Außerdeutsche Friedensgruppen verloren aufgrund des Krieges gegen den Faschismus und Nationalsozialismus viele Anhänger und Einflussmöglichkeiten. Andererseits gewann die vor 1933 begonnene Ächtung des Angriffskrieges und völkerrechtliche Konfliktregelung zwischen souveränen Staaten wegen der Erfahrung der Weltkriege ab 1945 internationale Zustimmung. Die Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 geht auch auf die Schockerfahrung des 2. Weltkriegs zurück - Krieg sollte für immer aus der Geschichte der Menschheit verbannt werden.

Neue Friedensbewegung gegen atomare Hochrüstung

Doch bereits in den 1950er-Jahren kam es erneut zur militärischen Hochrüstung - und zwar zwischen den in der NATO zusammen geschlossenen Staaten des Westens (North Atlantic Treaty Organisation) sowie dem Warschauer Pakt, dem Bündnis der kommunistischen Staaten unter der Führung der Sowjetunion. Gegen diese atomare Aufrüstung wuchs eine neue Friedensbewegung heran, die sich etwa mit den Ostermärschen eine jährliche Demonstrationsform schuf. In den 1960er Jahren kam es zu einer starken internationalen Opposition gegen den Vietnamkrieg, der von den USA begonnen wurde. In der Folge trat die Friedensbewegung zeitweise bedeutungsmäßig zurück. Erst mit neuen Aufrüstungsschritten und -plänen der NATO ab 1979 entstand in einigen westlichen Staaten eine breite, länderübergreifende und auf Zustimmung großer Bevölkerungsteile gestützte Friedensbewegung, die als Nahziel die im NATO-Doppelbeschluss angekündigte Stationierung von weiteren Atomraketen in Mitteleuropa verhindern, mittelfristig andere Sicherheitskonzepte und langfristig vollständige atomare Abrüstung durchsetzen wollte. Auch in Österreich gab es Großdemonstrationen gegen den befürchteten Atomkrieg zwischen Ost und West, dem sich Hunderttausende Menschen angeschlossen hatten.

Robert Jungk

Eine der Galionsfiguren dieser zweiten Friedensbewegung seit den 1950er-Jahren war Robert Jungk (1913 - 1994), der publizistisch erfolgreich gegen die gefahren der Atomrüstung auftrat. Seine Bücher „Die Zukunft hat schon begonnen" (1952), „Heller als tausend Sonnen" (1956) und „Strahlen aus der Asche" (1958) - in letzterem berichtet Jungk über die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 - erreichten breite Leserkreise und trugen zur Ablehnung der Atomhochrüstung bei vielen BürgerInnen bei.

Die neue Friedensbewegung hat wesentlich zur Verbreitung einer militärkritischen Haltung insbesondere in der Jugend beigetragen und durch das geförderte Klima der Entspannungspolitik wesentlich den weitgehend gewaltfreien Umbruch in den ehemals kommunistischen Staaten mit ermöglicht. Die steigende Ablehnung des Militärdienstes bei gleichzeitiger Zunahme von Zivildienstleistenden hängt sicher auch mit der verbreiteten pazifistischen Einstellungen in der Jugend zusammen. So gabe es Ende der 1980er-Jahren sogar Bewegungen wie „Schweiz ohne Armee" oder „Österreich ohne Heer".

Friedensbewegungen heute

Der nationalistische Kurs in den Teilstaaten Jugoslawiens führte zum blutigen Zerfall des Staatenbundes. Doch gab es auch Widerstand gegen die nationalistischen Führer. Antikriegsgruppen in allen Teilstaaten Jugoslawiens setzten sich für eine sofortige Beendigung der Gewalt und für Versöhnung ein. Unterstützt wurden sie von Friedensgruppen auch aus Österreich.

Weltweite kritisiert wurden von Friedensgruppen auch die Militärinterventionen gegen den Irak durch die USA und ihre Verbündeten 1991 und dann nochmals 2003. Dabei wurde nicht die Diktatur von Saddam Hussein gerechtfertigt, sondern der Protest richtete sich gegen den Krieg, der das irakische Volk traf. Mit dem Slogan „Kein Blut für Öl" sollte auf die Machtinteressen, die hinter dem Krieg standen, hingewiesen werden.

Derzeit ist es wieder ruhiger um die Friedensbewegung geworden, weil durch die geopolitische Veränderung der Welt aktuell keine größeren militärischen Konfrontationen drohen. Es gibt etwa Friedensgruppen in Israel, die im israelisch-palästinensischen Konflikt vermitteln und eine friedliche Lösung herbeiführen wollen, oder I. Neue Themen wie das Auseinanderdriften von Arm und Reich durch eine einseitige ökonomische Globalisierung, die Ausbeutung von Arbeitskräften in den neu entstehenden Fabriken in Ländern des Südens, die Zerstörung der Lebensgrundlagen vieler Menschen durch die Ausbeutung von Rohstofflagern oder Plantagenwirtschaften für die reichen Länder sowie generell Umweltgefahren wie der Klimawandel haben zu neuen sozialen Bewegungen geführt.

Überdies hat sich die Form des Krieges gewandelt. Die Mehrzahl kriegerischer Auseinandersetzungen finden innerhalb von Staaten statt - zwischen Rebellengruppen und Regierungstruppen. Häufig geht es dabei um den Zugang zu wertvollen Rohstoffen, das heißt um Geld und Macht, wie der Kriegsforscher Klaus-Jürgen Ganzel darlegt. Die meisten dieser innerstaatlichen kriege nach 1945 haben in Afrika stattgefunden. Kriegsverhütung erfordert hier mehr als kurzfristiges Krisenmanagement, sondern langfristige Entwicklung, die die wirtschaftliche Basis der einfachen Menschen stärkt. Kritik von Nichtregierungsorganisationen gibt es an Konzernen oder Regierungen, die mit Kriegstreibern aus Profitinteressen kooperieren oder gar Waffen liefern.

Da in der Welt weiterhin viel Geld für Rüstung ausgegeben wird und auch der Waffenhandel weiterhin blüht - die globalen Rüstungsausgaben betragen derzeit noch immer knapp eine Billion Dollar - brauchen wir weiterhin Menschen und Gruppen, die dagegen protestieren und sich für eine sinnvolle Verwendung der ausgegebenen Mittel einsetzen. Überdies können im 21. Jahrhundert neue Kriege um die knapper werdenden Rohstoffe und Erdölreserven drohen. Initiativen für eine friedliche Beilegung von Konflikten zwischen Staaten oder auch innerhalb von Staaten sind weiterhin von großer Bedeutung.

(hh)

Links:

Internationaler Versöhnungsbund: www.versoehnungsbund.de, www.versoehnungsbund.at

Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung: www.aspr.ac.at

Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInenn: www.dfg-vk.de

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedensbewegung

Klau Jürgen Ganzel: Die Kriegsgewalt verhindern. Was lehren die Kriege seit 1945? In: Frieden. Vom Kult der Gewalt zur Kultur des Friedens. Burgenländische Landesausstellung auf Burg Schlaining. Ausstellungskatalog, 2000.

www.jungk-bibliothek.at/jungkinfo.htm

Bildquellen: http://bs.wikipedia.org/wiki/Bertha_von_Suttner

Robert Jungk im Haus der Sinne. Foto: Vollmer / JBZ-Archiv: http://www.jungk-bibliothek.at/rjlecture2004.htm


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