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TV - Bildermaschine für den Krieg?

Das Massenmedium Fernseher vermittelt uns tagtäglich Bilder vom Krieg - zwischen Bombenangriffen wie in einem Computerspiel und Hollywoodkriegshelden. „Bildschirmunterhaltung im Tarnanzug" gehört längst zum Alltag (vgl. Bürger, 2007: 1).

Mit dem Vietnam-Krieg wurde das Fernsehen das zentrale Medium in der Vermittlung von Kriegsereignissen. Durch die beinahe zeitgleiche Übertragung der Kriegsbilder lässt Fernsehen die ZuschauerInnen an den fernen Geschehnissen teilnehmen und macht aus dem Krieg eine Form von Erlebnis (vgl. Raabe, 2009). Aber Fernsehen kann auch ein wichtiges Medium für eine Kultur des Friedens sein, z.B. wenn Reportagen nach friedensjournalistischen Gesichtspunkten gestaltet werden.

Rüstungskultur und Militainement

Das Medium Fernsehen ist neben Kriegsspielzeugen, Kriegscomputerspiele, Militärparaden, Kriegerdenkmalen, Military Look mitbeteiligt an einer sogenannten Rüstungskultur.

So hat z. B. eine Analyse von Comic-Filmen im amerikanischen Kinderfernsehen ergeben, dass diese zu einer Rüstungskultur beitragen können: „Die (...) Fernsehcartoons bringen Kindern bei, dass weltpolitische Konflikte immer polarisiert und zweidimensional sind. Die Helden sind ohne Fehler und ihre Feinde sind vollkommen böse, ohne Aussicht auf Veränderung. Meinungsverschiedenheiten werden mit Gewalt gelöst. Die Verteidigung gegen die Feinde wird garantiert durch Aktionen der Helden und hochentwickelte militärische Technologien. [Dadurch ebnen diese Sendungen] den Weg für eine psychische Bereitschaft zu militärischer Aufrüstung und Krieg in einer zukünftigen Welt, die simplistisch in Repräsentanten des Guten und des Bösen eingeteilt ist" (Hesse und Mack, 1990: 21-22)

Im Fernsehen wird Krieg häufig als ein visuelles Spektakel inszeniert, sei es in den Nachrichten wie auch in fiktiven Filmen. „Längst ist von Militainment [- die Verbindung von Militär und Entertainment -] die Rede, faszinieren militaristisch-kriegerisch determinierte Computerspiele und Filme ein breites Publikum. Der Kriegsakt und das Erleben kriegerischer Grenzsituationen stehen im Vordergrund visueller Inszenierungen, während die Auswirkungen auf die Menschen und deren Leid weitgehend ausgeblendet bleiben" (Raabe, 2009:1).

Fernsehen und Kultur des Friedens

Beim Fernsehen kann - wie bei alle andere Medien auch - im Sinne des Friedensjournalismus gearbeitet werden. Gewaltakte können kritisch reflektiert und Krieg nicht als Unterhaltung dargestellt werden. Der Blickwinkel kann weg von SoldatInnen als HeldInnen hin zu den Schicksalen und Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung, z.B.: die Not von Flüchtlingen und die Situation in Flüchtlingslagern, gehen. Hintergründe des Konflikts sowie mögliche gewaltfreie Lösungsansätze können ins Zentrum rücken.

Fernsehen kann Menschen dazu bewegen selbst etwas gegen den Krieg/ für den Frieden zu tun, aktive zu werden, z.B. indem es Organisationen oder einzelne Personen, die sich auf gewaltfreie Weise für Frieden in den jeweiligen Konfliktregionen einsetzen und ihr Engagement für den Frieden zeigt (siehe das Projekt Peace Counts). Indem Fernsehen Möglichkeiten aufzeigt sich aktive für Frieden zu engagieren und uns Beispiele gibt, wieviele kreative Möglichkeiten Menschen bereits gefunden haben, kann dieses Medium zu einer Kultur des Friedens beitragen (vgl: UNESCO, 1999: Artikel 7 der Erklärung über eine Kultur des Friedens).

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Links und Lesetipps

Peter Bürger (2007): Bildermaschine für den Krieg. Eine friedenswissenschaftliche Herausforderung. In: Wissenschaft und Frieden. 2007-3, verfügbar unter http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=0516 (abgerufen am 12.08.2010).

Johan Galtung (1998): Frieden mit friedlichen Mitteln. Friede und Konflikt, Entwicklung und Kultur. Opladen: Leske und Budrich.

Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.) (2007): Gute Medien- Böser Krieg? Medien am schmalen Grat zwischen Cheerleadern des Militärs und Friedensjournalismus. Wien: Lit-Verlag.

Peace Counts - http://peace-counts.org/

http://www.unesco.de/534.html (Erklärung einer Kultur des Friedens, UNESCO)

Quellen

Peter Bürger (2007): Bildermaschine für den Krieg. Eine friedenswissenschaftliche Herausforderung. In: Wissenschaft und Frieden, Nr. 3/2007, verfügbar unter http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=0516 (abgerufen am 12.08.2010).

Petra Hesse und John E. Mack (1990): Die Welt ist gefährlich: Feindbilder im amerikanischen Kinderfernsehen. In: Psychosozial, 13 (Nr.44), S.7-23.

Bianca Raabe (2009): Die visuelle Dominanz des Kriegsaktes. In: Wissenschaft und Frieden, Nr. 2/2009, verfügbar unter http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=1545 (abgerufen am 12.08.2010).

Ralf Streibl (2009): Spielfeld Militärmaschine. In: Wissenschaft und Frieden, Nr. 3/2009, verfügbar unter http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=1557 (abgerufen am 12.08.2010).

UNESCO (1999): Erklärung über eine Kultur des Friedens und Aktionsprogramm für eine Kultur des Friedens, Resolution A/RES/53/243 der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 13. September 1999, verfügbar unter http://www.unesco.de/534.html (abgerufen am 12.08.2010)

Bildquelle: http://www.sxc.hu/photo/1087821


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