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Gehorsam und Konformität

Mit Gehorsam ist ein Verhalten gemeint, welches Befehlen oder Anforderungen einer in der Hierarchie höher stehenden Person (Autorität) nachkommt. Unter "Gehorsamsprinzip" versteht man den Zwang, Teil einer Befehlshierarchie zu sein, die es – im Dienste der Aufrechterhaltung eines Gruppeninteresses – dem Einzelnen verunmöglicht, freie, eigene Entscheidungen zu treffen.

Dieses Prinzip kommt – aber nicht nur – in militärischen Zusammenhängen zur Geltung und kann in Kriegsfällen dazu führen, dass SoldatInnen in gewisser Weise zum Töten gezwungen werden. Konformität ist zwar ein verwandtes sozialpsychologisches Phänomen, unterscheidet sich indes von Gehorsam insofern, als der Einfluss bei konformem Verhalten von einer Gruppe von Individuen gleichen oder ähnlichen Status ausgeht. Und während die Einflussnahme im Falle des Gehorsams direkt verläuft, funktionieren die Mechanismen der Konformität durch unmerklichen, indirekten Druck von Seiten der Gruppe. Man kann also folgendermaßen unterscheiden: Konformität nivelliert soziale Ungleichheiten, während Gehorsam soziale Hierarchien entweder erhält oder neu entstehen lässt.

Durch die arbeitsteilige Praxis, in der Menschen, die den Krieg vorbereiten und anordnen, nicht diejenigen sind, die ihn auch ausführen – und umgekehrt – erleichtert das Gehorsamsprinzip die Tendenz, Verantwortung für Kriegshandlungen zu delegieren. Gehorsamsverweigerung wird in der Regel drastisch sanktioniert. Gleichzeitig anerkennen auch Militärgesetze das Recht bzw. die Pflicht zu Ungehorsam in Bezug auf die Ausführung unmenschlicher Handlungen.

Tendenz zur Entmenschlichung

Elias Canetti hat die Tendenz zur Entmenschlichung durch das Gehorsamsprinzip drastisch bechrieben: "Es ist bekannt, dass Menschen, die unter Befehl handeln, der furchtbarsten Taten fähig sind. Wenn die Befehlsquelle verschüttet ist und man sie zwingt, auf ihre Tat zurückzublicken, erkennen sie sich selbst nicht. (...) Sie suchen nach den Spuren ihrer Tat und können sie nicht finden. Man staunt, wie unberührt sie von ihr geblieben sind. Die Tat ist nicht in sie eingegangen. Es sind Menschen, die sonst sehr wohl dazu imstande sind, ihre Handlungen abzuschätzen. Sie würden sich schämen, ein unbekanntes und wehrloses Geschöpf, das sie nicht herausgefordert hat, umzubringen. Mancher, der sie aus täglichem Umgang intim kennt, wäre bereit, einen Eid darauf abzulegen, dass man sie zu Unrecht beschuldigt. Wenn dann die lange Reihe der Zeugen aufmarschiert, der Opfer, die sehr wohl wissen, wovon sie reden, wenn einer nach dem anderen den Täter erkennt und ihm jede Einzelheit seines Verhaltens ins Gedächtnis zurückruft, da wird jeder Zweifel absurd und man steht vor einem unauflöslichen Rätsel."   

Zum Beispiel: Das Milgram-Experiment:

Der bekannteste sozialpsychologische Versuch zur "Gehorsamsbereitschaft" ist das Milgram-Experiment. Milgram demonstrierte darin, dass die Mehrheit der Versuchspersonen, die als TäterInnen fungierten, entgegen ihrer eigenen moralischen Überzeugung bereit war, auf Anweisung des Versuchsleiters anderen Personen schmerzhafte Elektroschocks zuzufügen. Das Experiment wurde vielfach variiert (auch in verschiedenen Ländern) immer jedoch hing der Grad der Gehorsamsbereitschaft stärker von der konkreten Versuchsanordnung ab als von Persönlichkeitsmerkmalen, dem Sozialstatus oder der Nationalität der Versuchspersonen, die als TäterInnen fungierten. Unter anderem führten folgende Mechanismen bei den Versuchpersonen zur Gehorsamsbereitschaft:

  • Höflichkeit gegenüber dem Versuchsleiter, die Peinlichkeit des vorzeitigen Ausscheidens und das ursprüngliche Versprechen – dem Versuchsleiter zu helfen – einzuhalten.
  • Das Übertragen der gesamten Verantwortung auf den Versuchsleiter.
  • Je näher der Versuchsleiter war, desto strenger wurde der Auftrag ausgeführt (im Gegensatz zum telefonischen Kontakt).
  • Bei Opfern, die einem bekannt waren, war die Hemmung, zu verletzen viel größer als bei anonymen.
  • Wenn die anderen "Versuchs-TäterInnen" als erste ihre "Strafe" hoch ansetzten, war auch die folgende stärker, als wenn die ersten Schritte gemäßigt waren. (red)

Lesetipps, Quellen und Links:

Elias Canetti (1960): "Masse und Macht". Düsseldorf: Claasen.

Harald Welzer (2005): Täter. Wie normale Menschen Massenmörder werden. Frankfurt a. Main: S. Fischer Verlag, GmbH.

Stanley Milgram (1982): Das Milgram-Experiment. Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität. Reinbeck: Rowohlt Taschenbuch.

Bund für Soziale Verteidigung (abgerufen am14.5. 2010)

Informationsstelle Militarisierung (abgerufen am 14.5. 2010)

Institut für Friedenspädagogik Tübingen (abgerufen am 14.5. 2010)

Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden (abgerufen am 14.5. 2010)

Dadalos (abgerufen am 14.5. 2010)

Bildquelle: wikipedia.org (abgerufen am 14.5. 2010)


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