Projekte

Aktuelles:

Pioniri

Startseite Krieg und ich Gefühle und Krieg  

Gefühle und Krieg

Krieg lässt niemanden kalt. Welche Gefühle tauchen in dir auf, wenn du an Krieg denkst? Haben deine Eltern, Großeltern oder andere Menschen in deiner Nähe Krieg erlebt? Oder hast du eigene Erfahrungen mit Krieg gemacht? Natürlich erleben Menschen, die selbst (oder deren Angehörige) Kriegserfahrungen gemacht haben, Krieg anders, als solche, die ihn lediglich aus Erzählungen oder von Bildern kennen, weil deren Betroffenheit noch viel mehr von Verletzungen und negativen Erlebnissen geprägt ist.

Das heißt aber nicht, dass Krieg nicht auch starke Gefühle in Menschen wecken kann, die keine eigenen Erfahrungen mit Krieg haben. Fast täglich sind wir mit Informationen und Bildern über Kriege und bewaffnete Konflikte konfrontiert. Wir sehen sie im Fernsehen, hören davon im Radio und lesen darüber in der Zeitung oder im Internet. Wir Menschen reagieren auf diese Informationen alle unterschiedlich. Und all die verschiedenen Empfindungen, die dabei entstehen, sind auch zulässig und erlaubt: Wut, Angst, Resignation, Faszination, Abscheu, Trauer, Mitgefühl u. ä..

Welche Gefühle aber werden bei Menschen, die Krieg erlebt haben, freigesetzt? Um sie verstehen zu können, ist es wichtig zu erkennen, dass sie mit Kriegserlebnissen sowohl positive als auch negative Bilder assoziieren. Einerseits handelt es sich dabei häufig um sehr traumatische Erfahrungen von Leid, Tod, Folter, Flucht usw., die ein Mensch schwer oder manchmal gar nicht verarbeiten kann und über die man oft auch nicht gerne redet. Krieg kann aber auch positive Gefühle wecken. Vielleicht hast du manchmal ältere Menschen fasziniert vom Krieg erzählen gehört? Verherrlichung, Faszination, intensive Lebensgefühle ("zu spüren, dass man wirklich lebt") oder intensive Gemeinschaftserfahrungen sind Empfindungen, die von Menschen, die Krieg erlebt haben, nicht selten formuliert werden und die auch uns nicht kalt lassen. Von dieser Faszination und von den intensiven Lebensgefühlen berichtet der Psychoanalytiker und Friedensforscher Michael Lukas Moeller in seinem Buch "Der Krieg, die Lust, der Frieden, die Macht" (1992):

„Die Faszination, die vom Krieg ausgeht, und die Langeweile, die der mühselige Frieden verbreitet, haben schon viele irritiert. (...) Jeder Krieg richtet Schmerzen und Verwüstungen an. Er bewegt uns schon deswegen stärker als der Frieden. Es geschieht damit aber noch mehr: Uns mobilisiert das Leiden, besonders wenn es das eigene ist. Es überwindet unsere Trägheit; wir beginnen uns in Frage zu stellen."

In der Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg wird uns sicher einiges überraschen und befremden. Auf jeden Fall erfahren wir dabei auch viel über uns selbst.

(red)

Lesetipps und Links

Margaret Klare (1994): Liebe Tante Vesna. Marta schreibt aus Sarajevo. Weinheim und Basel: Beltz Verlag

Friedrich Orter (2005): Verrückte Welt. Augenzeuge der Weltpolitik. Salzburg: ecowin Verlag

Frigga Haugg & Ulrike Gschwandtner. Sternschnuppen. Zukunftserwartungen von Schuljugend. Hamburg 2006.

www.frieden-fragen.de

Quelle

Michael Lukas Moeller (1992): Der Krieg, die Lust, der Frieden, die Macht. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt


Sponsoren Bundesministerium für Bildung und Frauen Stadt Salzburg Land Salzburg Berghof Foundation Elfi-Gmachl-Stiftung Youth in Action - Jugend in Aktion