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Friedensgemeinden

Eine Friedensgemeinde ist ein Dorf oder einen Ort im Kriegsgebiet, dessen Bevölkerung deklariert, mit keinem der bewaffneten Akteure zu kollaborieren und sich weder direkt noch indirekt in den Konflikt einzumischen. Friedensgemeinden wenden sich hundertprozentig von Gewalt ab und ihre Mitglieder besitzen weder Waffen noch Informationen, die an die Konfliktparteien weitergegeben werden könnten.   Weitere Prinzipien der Friedensgemeinden sind:

  • friedlicher, gewaltfreier Widerstand
  • keine Drogen (kein Anbau oder Handel, keine Eigennutzung in der Gemeinde)
  • kein Alkohol im Friedensdorf
  • gegenseitige Hilfe (Produktion, Gesundheit)
  • Transparenz innerhalb der Gemeinschaft

 

Am Beispiel: San José de Apartadó in Kolumbien

  • EinwohnerInnen Kolumbien: 42 Mio.
  • EinwohnerInnen Gemeinde San José (gesamt): 2.800
  • EinwohnerInnen Friedensgemeinde San José (die die Charta des Friedensdorfes unterzeichnet haben): 1.350
  • EinwohnerInnen San Josecito (dem inneren Kern von San José): 400
  • EinwohnerInnen Region Apartadó: 100.000

Friedensgemeinde San JoséDie Friedensgemeinde San José de Apartadó liegt im kolumbianischen Distrikt Antioquia im Grenzgebiet zu Panama. Das Land ist fruchtbar, landwirtschaftlich wertvoll (Bananen, Kakao) und reich an Bodenschätzen (Öl, Erze, Kohle, Gold). Wegen seines Reichtums und seiner strategischen Lage ist Antioquia seit 40 Jahren in einem blutigen Konflikt zwischen Militärs, Polizeigruppen, Paramilitärs und Guerilla umkämpft. Opfer ist die von den bewaffneten Gruppierungen terrorisierte Zivilbevölkerung. Die Kriegsparteien betreiben eine "Politik der verbrannten Erde" und versuchen, das umkämpfte Gebiet unbewohnbar zu machen. Die Bauern und Bäuerinnen des Kampfgebietes werden von allen Seiten der Kollaboration mit der jeweils anderen Seite bezichtigt und für vogelfrei erklärt.

In Kolumbien existieren heute zahlreiche Friedensinitiativen, darunter 20 Friedensgemeinden mit etwa 12.000 EinwohnerInnen in Kriegsgebieten. Sie sind aus der Spirale des Tötens ausgestiegen und wurden dabei selbst zu Zielen der Todesschwadronen der verschiedenen bewaffneten Konfliktparteien. Sie alle leben in Kampfzonen im permanenten Ausnahmezustand und in äußerst bescheidenen Verhältnissen. Am akutesten von "Austilgung" bedroht ist das Friedensdorf San José de Apartadó.

Das Friedensdorf San José wurde am 23. März 1997 in Anwesenheit von VertreterInnen verschiedener kolumbianischer NGOs und einem Vertreter des Europäischen Parlaments gegründet. Seit seiner Gründung wurden 164 EinwohnerInnen aus San José ermordet. Es gab elf Massaker und zahlreiche selektive Morde. ZeugInnen, die aussagten, waren jeweils die nächsten Opfer.

Obwohl die Mitglieder der Friedensgemeinde ständigen Repressalien von allen Seiten schutzlos ausgeliefert sind, schützt sie Präsident Uribe in dieser lebensbedrohlichen Situation nicht – vielmehr diffamiert er sie als KollaborateurInnen der Guerilla. Er übernimmt damit die Argumentationslinie der Paramilitärs, die grundsätzlich die einfache Landbevölkerung als Basis der Guerilla sehen. Uribe bezichtigt die Friedensgemeinde von San José des Terrorismus und setzt sie somit einer zunehmenden Gefahr der Vertreibung aus.

Dabei beruft sich die Friedensgemeinde auf Internationales Humanitäres Recht und wird auch vom "Internamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof" unterstützt, der die Regierung wiederholt dazu angehalten hat, die Mitglieder der Friedensgemeinde zu schützen. Der einzige Schutz, den die Friedensgemeinde zumindest ansatzweise erfährt, ist die Präsenz internationaler BeobachterInnen, wie des "Internationalen Versöhnungsbundes" und der "Peace Brigades International". (dp)

Quellen und Lesetipps:

www.sos-sanjose.org

Internationaler Versöhnungsbund

Irmgard Ehrenberger: Wege des Widerstandes. Besuch bei der Friedensgemeinde San José de Apartadó in Antioquia, Kolumbien, 12. – 26. Februar 2006. In: Spinnrad 1, 2006.


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