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Konfliktkultur

Die Mitglieder einer Gesellschaft sind fähig, Konflikte produktiv und kompromissorientiert auszutragen. Eine Konfliktkultur hilft der friedlichen Austragung von Meinungsverschiedenheiten und kann Eskalationen von Konflikten vermeiden. Sie muss in vielen Fällen jedoch erst mühsam erlernt werden.

Zum Beispiel: fehlende Konfliktkultur in Nordirland

Anfänge des Konflikts 

Die Ursache des nordirischen Konflikts liegt Jahrhunderte zurück, als Irland im 16. Jahrhundert von den Engländern erobert wurde. England war protestantisch, Irland katholisch. Um die Kontrolle über die Gebiete in Irland halten und ihre Religion verbreiten zu können, siedelten sich in Irland protestantische EngländerInnen an. Im Laufe des Konflikts, in dem sich die IrInnen immer wieder von den ProtestantInnen benachteiligt fühlten, bildeten sich nationalistische Bewegungen und Organisationen wie die IRA (Irish Republican Army) und die UVF (Ulster Voluntier Force). Proteste wurden von englischen Soldaten jedoch immer wieder niedergeschlagen.

Trotz intensivster und teilweise erfolgreicher Friedensbemühungen in den letzten Jahren ist bis heute eine produktive, gewaltfreie Konfliktbearbeitung und -lösung sowohl auf protestantischer als auch auf katholischer Seite nur sehr eingeschränkt möglich. In den letzten Jahrzehnten kam es auf beiden Seiten immer wieder zu bewaffneten Konflikten und Anschlägen.

Der Konflikt in Belfast 

Im Westen Belfasts, der Hauptstadt Nordirlands, kann man auch heute noch die Folgen des jahrelangen Bürgerkrieges beobachten. Dort leben ProtestantInnen und KatholikInnen in getrennten Gebieten in der Siedlung Glenbryn zusammen. Im protestantischen Viertel Shankill Road sind die Bürgersteige im Sinne der englischen Flagge blau-weiß-rot angestrichen. Riesige Wandbilder an Häusern, die die Verherrlichung des britischen Einmarsches in Irland darstellen, prägen die Straßen des Viertels. Im Katholischen Viertel Falls Road sind die Bürgersteige grün, orange und weiß bemalt, die irische Flagge und Wandbilder von irischen Freiheitskämpfern und der IRA sind vielerorts zu sehen.

Holy Cross Primary School 

Im Jahr 2001 wurde die Holy Cross Primary School, eine katholische Mädchen-Grundschule der Siedlung Glenbryn, im Zuge dieses Konflikts überregional bekannt. Die katholischen Schulmädchen mussten auf dem Schulweg durch das protestantischen Viertel laufen, da sich dort ihre Schule befand. Der Konflikt eskalierte als ProtestantInnen die Mädchen am Weg zu ihrer Schule hinderten und die Polizei aufgebrachte protestantische und katholische Eltern gewaltsam voneinander trennen musste.

Die ProtestantInnen sahen sich provoziert, da die KatholikInnen ihre traditionellen Märsche durch deren Vierteln und Straßen machten und außerdem protestantische Autos, Häuser und Kinder attackierten. Aufgrund dessen zogen viele Familien aus dem protestantischen Viertel weg. Die KatholikInnen wiederum waren wütend, dass ihre Kinder von nun an den Umweg zur Schule über den Acker gehen sollten und den Hintereingang benutzen mussten. Manche hatten aber auch nur Angst und wollten, dass ihre Kinder sicher zur Schule gelangten. Wer den Schulkonflikt tatsächlich ausgelöst hat, wird wohl immer ungewiss bleiben. Jahrzehntelang jedoch lief der Schulbetrieb reibungslos ab.

Im September 2001 errichtete die Polizei mit Hilfe der Armee Schutzkorridore innerhalb des protestantischen Gebietes, damit die Schulmädchen sicher zur Schule gelangen konnten. Zweimal pro Tag waren Polizei und Armee Beschützer der katholischen Schulmädchen, begleitet von schimpfenden protestantischen BewohnerInnen. Es wurden Steine, Flaschen, Molotowcocktails, Feuerwerkskörper und urinbefüllte Ballons auf die Kinder geworfen. Manches Mal wurde friedlich demonstriert.

Trotz der Ratschläge der Polizei, den Umweg zur Schule zu nehmen, gingen viele katholische Eltern aus Protest mit ihren Kindern den Weg durch das protestantische Viertel.

Nach einem Angriff einer Rohrbombe auf die Schulmädchen wurde eine meterhohe, von vielen seit langem geforderte Mauer ("Peace Line") errichtet, die beide Vierteln voneinander abriegelte und mit Stacheldraht begrenzte. Heute werden die Schulmädchen mit dem Bus in die Schule gebracht, eine friedliche Lösung ist jedoch noch nicht in Sicht. (red)

Quellen, Links und Lesetipps

WDR: Belfast – Die Kinder und der Fluch der Geschichte; (abgerufen am 04.01.2008)

Wikipedia: Holy Cross Catholic Primary School; Bearbeitungsstand: 4.1.2007, 23:44 UTC (abgerufen am 04.01.2010)

WDR, Michael Marx: Leben am Brennpunkt Belfast; (abgerufen am 04.01.2008)

andlive.de: Belfast; (abgerufen am 04.01.2008)

Fundus.org, Tina Friedrich: Nordirlandkonflikt; (abgerufen am 04.01.2010)

Fundus.org, Alexandra von Kleist: Nordirlandkonflikt; (abgerufen am 04.01.2008)

Fundus.org: Der Nordirland Konflikt; (abgerufen am 04.01.2010)

Fundus.org, Nathalie Wienerroither: Nordirlandkonflikt; Bearbeitungsstand: 12.3.2001 (abgerufen am 04.01.2010)

H.-C. Kirsch (1979): Irland. Die Freuden der Grünen Insel. München, Wien: Universitas.

J. Uris, L. Uris (o.J.): Irland. Schreckliche Schönheit. München: Kindler.

D. Schulze-Marmeling, R. Sotscheck (1991): Der lange Krieg. Macht und Menschen in Nordirland. Göttingen: Die Werkstatt. S. 358-368

Bildquelle: commons.wikimedia.org

Hessische Stiftung für Frieden und Konfliktlösung (abgerufen am 7.1.2010)

Institut für Friedenspädagogik Tübingen (abgerufen am 7.1.2010)

Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden (abgerufen am 7.1.2010)

Dadalos (abgerufen am 7.1.2010)


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