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Interdependenz

Interdependenz bedeutet wechselseitige Abhängigkeit. Alle Mitglieder einer Gemeinschaft stehen in gegenseitiger Abhängigkeit zueinander, sie sind sozial interdependent. Nachhaltiger Friede ist nur durch die Anerkennung von Unterschieden bei gleichzeitigem Gewaltverzicht möglich.

Zum Beispiel: fehlende Interdependenz in Zypern

Die Insel Zypern gehörte lange zum Osmanischen Reich und wurde 1960 von Großbritannien unabhängig. Das Ziel der griechischen Volksgruppe, die ca. 80 % der Bevölkerung ausmachte, war die Wiedervereinigung mit Griechenland ("Enosis"). Die türkische Minderheit wiederum wollte die Teilung und den separaten Staat ("Taksim") beibehalten.

1960 schienen diese Ziele durch die Gründung der Republik Zypern besiegelt. Als 1963 jedoch griechische Soldaten versuchten, die Wiedervereinigung militärisch durchzusetzen, kam es zu einem Bürgerkrieg.

Invasion türkischer Soldaten 

Seit der Invasion türkischer Truppen im Jahre 1974 ist der Norden Zyperns besetzt, 160.000 griechische ZypriotInnen mussten nach Süden fliehen. Am 16. August 1974 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Seit 1975 bemühen sich die Friedenstruppen der Vereinten Nationen (UNFICYP) vergebens, Frieden zwischen beiden Volksgruppen zu stiften.

Entlang der Grenze zwischen türkischem und griechischem Gebiet wurde die "Green Line" errichtet. Diese Waffenstillstandslinie wird regelmäßig von UN-Soldaten kontrolliert. Im Jahre 1983 wurde im Norden die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen, welche jedoch als Staat nur von Ankara anerkannt wurde. Obwohl die gesamte Insel völkerrechtlich ungeteilt ist, kontrolliert die griechische Bevölkerung nur noch die südlichen zwei Drittel der Insel. Seitdem leben die griechische und türkische Volksgruppe durch die "Green Line" voneinander getrennt.

Der Annan-Plan 

Am 23. April 2003 wurde erstmals die Grenze wieder geöffnet, um Besuche zwischen beiden Volksgruppen zu ermöglichen. Außerdem wurde der Annan-Plan zur Wiedervereinigung beschlossen, der jedoch 2004 durch die Ablehnung des griechischen Südens in einer Volksabstimmung scheiterte. Hätte der Annan-Plan Zustimmung erlangt, würde Zypern heute offiziell "Vereinigte Republik Zypern" heißen - die "Türkische Republik Nordzypern" hätte sich aufgelöst.

Die Hoffnungen der EU, dass die Aufnahme Zyperns am 1. Mai 2004 zu einer Wiedervereinigung der geteilten Insel führen würde, hatten sich somit nicht erfüllt. Zypern wurde als geteiltes Land Mitglied der EU. Auch die Beitrittsperspektive für die Türkei durch die Reformpolitik der türkischen Regierung brachte keine Fortschritte in der Zypern-Frage.

Wirtschaftliche Folgen 

Der türkische Norden wird bis heute als "Türkische Republik Nordzypern" international nicht anerkannt, was zu negativen politischen und wirtschaftlichen Folgen führt. Der Süden, der vom Tourismus lebt und derzeit in einer Krise steckt, hat kein Interesse daran, den Tourismus des Nordens aufzuwerten. Auch werden türkische Produkte aus dem Norden, die billiger sind, nicht auf dem griechischen Markt im Süden zugelassen, obwohl dies von Seiten der EU befürwortet wird. Der Norden lebt derzeit von einem Bauboom in Form touristischer Projekte, die großteils auf griechischem Grundbesitz entstehen.

Zeichen für den Frieden 

Am 9. Januar 2007 wurde erstmals als Zeichen des Friedens von der türkischen Bevölkerung die Lokmaci-Barrikade, die seit 1967 als das Symbol für die Trennung gilt, niedergerissen. Auch die griechische Volksgruppe zerstörte ihre eigene Barrikade. (red)

Quellen und Links

Gresh, Radvanyi, Rekacewicz, Samary & Vidal (2006): Atlas der Globalisierung – Zypern: Die EU erbt einen Krisenherd. Paris: Armand Colin, S. 176-177

Wikipedia: Zypern; de.wikipedia.org/wiki/Zypern. Bearbeitungsstand: 09.01.2008, 09:29 UTC (abgerufen am 09.01.2008)

Bund für Soziale Verteidigung (abgerufen am 7.1.2010)

Hessische Stiftung für Frieden und Konfliktlösung (abgerufen am 7.1.2010)

Dadalos (abgerufen am 7.1.2010)

Komitee für Demokratie und Grundrechte (abgerufen am 7.1.2010)


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