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Christentum und Krieg

Nach rund drei Jahrhunderten eines gewaltfreien Urchristentums, das wohl im Großen und Ganzen den Intentionen seines Stifters Jesus Christus folgte, wurde das Christentum mit Kaiser Konstantin zur Staatsreligion des römischen Imperiums. Ab dieser Zeit wurden immer wieder theologische Begründungen für "gerechte Kriege" (u. a. von Augustinus, Thomas von Aquin u. v. a.) bzw. Kriterien formuliert, unter welchen Bedingungen Krieg moralisch gerechtfertigt werden könne.

Dabei wird unterschieden zwischen: 

  • dem Recht zum Krieg (ius ad bellum), das eine legitime, den Krieg erklärende Autorität, einen gerechtfertigten Grund, die richtige Absicht, die vernünftige Erfolgswahrscheinlichkeit, die Verhältnismäßigkeit der Reaktion und den Einsatz kriegerischer Gewalt als letztes Mittel (ultima ratio) voraussetzt, sowie
  • dem Recht im Krieg (ius in bello), das der Verhältnismäßigkeit der angewandten militärischen Mittel und der Unterscheidung zwischen SoldatInnen und ZivilistInnen unterliegt.

Diese Kriterien, die alle eingehalten werden müssen, sollten auch zur Eindämmung kriegerischer Gewalt dienen, wurden aber im Lauf der Geschichte des Christentums oftmals missbraucht. Allerdings gibt es gerade auch in der jüngeren Vergangenheit Beispiele, wie sich einzelne ChristInnen (z. B. Franz Jägerstätter, der den Wehrdienst in der Zeit des Nationalsozialismus verweigerte) und ganze Kirchen (z. B. die katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten) unter Berufung auf die Lehre vom "gerechten Krieg" weigerten, in den Krieg zu ziehen bzw. diesen zu unterstützen oder zu rechtfertigen, weil es mit den modernen Methoden der Kriegsführung gar keine Kriege mehr gibt, die diesen Kriterien entsprechen. In jüngster Zeit ist die Debatte um gerechtfertigte Kriege unter dem Begriff "humanitäre Interventionen" wieder verstärkt aufgekommen.

Auf der anderen Seite ist die pazifistische Tradition im Christentum immer – zumindest von Minderheiten – aufrecht erhalten worden, wie etwa im Urchristentum, von Franz von Assisi und seinen NachfolgerInnen, von den historischen Friedenskirchen (QuäkerInnen, MennonitInnen, Church of the Brethren) oder in letzter Zeit vermehrt auch von den "Großkirchen" im Ökumenischen Rat der Kirchen ("Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein" – Gründungserklärung 1948), im Rahmen des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und in vielen päpstlichen Erklärungen. Dabei berufen sie sich auf eine vorrangige Option für Gewaltfreiheit, wie sie in erster Linie in Leben und Lehre Jesu (am klarsten in der Bergpredigt) zum Ausdruck kommt. Dieser Appell richtet sich sowohl an die Kirchen selbst (Friedenskirchen werden) wie teilweise auch an staatliche und internationale EntscheidungsträgerInnen. (ph)

Quellen

Erna Putz: Franz Jägerstätter (2007):  Aufzeichnungen aus dem Gefängnis. Verlag Styria.

Hildegard Goss-Mayr (2008): Wie Feinde Freunde werden. LIT-Verlag.

Jean Goss/Hildegard Goss-Mayr (2002): Die Gewaltlosigkeit Jesu – eine Kraft, die Frieden schafft. St. Gallen: Forum für Friedenserziehung/IVB.

P. Hämmerle/T. Roithner (Hg.) (2003): Dem Rad in die Speichen fallen. Stimmen von FriedensnobelpreisträgerInnen und das Österreichische Netzwerk für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit. Ein Arbeitsbuch. Wien: Österr. Netzwerk für Frieden und Gewaltfreiheit.

T. Nauerth (Hg.) (2004): Handbibliothek Christlicher Friedenstheologie (CD-ROM). Berlin: Digitale Bibliothek.  

Jüdische, christliche und islamische Friedenstheologie: www.friedenstheologie.de (abgerufen am 05.02.2008)

Gewalt überwinden.org: gewaltueberwinden.org/de (abgerufen am 05.02.2008)

Sozialwort der österr. Kirchen: ksoe.at/sozialwort/bibliothek/Sozialwort_6.doc (abgerufen am 05.02.2008)

Wikipedia: Gerechter Krieg. Bearbeitungsstand: 21.01.2008, 14:09 UTC. (abgerufen am 05.02.2008)


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