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Brennende Ölquellen

Dass Erdöl ein sehr Konflikt behafteter Rohstoff ist, wissen wir spätestens seit den Golfkriegen. Die Besetzung kuwaitischer Ölfelder durch den irakischen Diktator Saddam Hussein im August 1991 löste den von den USA angeführten „Krieg zur Durchsetzung des Völkerrechts" aus (1. Golfkrieg). Brennende Ölquellen galten damals als „Kriegsstrategie", mit der das irakischen Regime auf die Bomben und vorstürmenden Panzer der westlichen Kriegsallianz reagierte.

Beispiel Irak

Die irakischen Truppen haben 1991 mehr als 700 der 900 kuwaitischen Ölquellen in Brand gesetzt. Die Löschung der Feuer dauerte mehrere Monate. Mit fatalen Folgen für die Umwelt. Durch die Ölverbrennung gelangte eine immense Menge von Ruß, Schwefel- bzw. Kohledioxid in die Luft. Diese Schadstoffe bewirken u. a. eine globale Erwärmung der Erde.

Neben der Umweltkatastrophe wird auch das sogenannte Golfkriegssyndrom mit auf die brennenden Ölfelder zurückgeführt, wie dem Beitrag „Öl - die andere Massenvernichtungswaffe" der Online-Zeitschrift Telepolis zu entnehmen ist. Durch die Politik der verbrannten Erde beim Rückzug der irakischen Truppen, die zuvor Sprengstoff an den Quellen angebracht hatten, gelangten riesige Mengen an Ruß und Schwefeldioxid in die Luft, aber auch krebserzeugende Stoffe wie Benzine oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs), so der Bericht. Mit dem Rauch sollten Bodentruppen, aber auch Luftangriffe und Satellitenaufklärung behindert werden. Neun Monate dauerte es, bis alle Feuer von Blow-out-Spezialisten gelöscht waren, da es weltweit nur relativ wenige Experten mit der notwendigen Ausstattung für diese gefährliche Aufgabe gibt.

Ein anderes Problem stell(t)en die aufgrund von Kriegshandlungen freigesetzten Ölmengen dar. Im Golfkrieg 1991 waren bei der bis 2010 größten marinen Ölkatastrophe mehr als eine Milliarde Liter Erdöl in den Persischen Golf geflossen (schlimmer wird wohl noch die Katastrophe im Golf von Mexiko 2010 sein). Nach Kriegsende geriet die ökologische Situation bald in Vergessenheit. Doch die geschädigten Küstenbiotope haben sich erst teilweise regeneriert.

Die Hauptmenge war damals in Süd-Kuwait aus zerschossenen Tankern, geöffneten Ölterminal-Leitungen und aus zerstörten Tanklagern ausgetreten, so ist dem Bericht „Umweltkatastrophe Golfkrieg" ebenfalls aus Telepolis zu entnehmen. Es gab in der Region trotz der risikoreichen Ölfördereinrichtungen praktisch keine Vorsorge gegen Unfälle. So verfrachteten die küstenparallele Meeresströmung und die Winde den Ölteppich ungehindert nach Süden bis zur vorgelagerten Insel Abu-Ali, die die weitere Ausbreitung nach Süden weitgehend stoppte. Denn die Insel ist durch Dämme mit dem Festland verbunden und bildet so eine natürliche Sperre; hier konnte ein Teil des Öls abgeschöpft und deponiert werden. Die dazwischen liegende Küste, eine Strecke von etwa 650 Kilometern, wurde fast lückenlos verölt.

Der gesamte Gezeitenbereich war davon betroffen. Die Vegetation der Salzmarschen und Mangroven war nahezu vollständig zerstört. Die Flut hatte das Öl tief in die ökologisch sensiblen Buchten gedrückt, zudem waren ausgerechnet im Frühjahr 1991 die Gezeiten besonders stark gewesen und hatten das Öl auch in höhere, nur selten überflutete Zonen gespült, so der Bericht von Irene Grosseger. Ihre Schilderung: „An besonders flachen Küstenabschnitten war der verölte Streifen bis zu einem Kilometer breit. Die Hälfte der saudi-arabischen Küste fiel als Nahrungsbiotop für die Stand- und Zugvögel praktisch aus. Erstaunlicherweise hielten sich die Schäden an den Korallenriffen vor der kuwaitischen Küste insgesamt noch in Grenzen, auch wenn 1992 etliche ausgebleichte oder tote Korallenkolonien gefunden wurden."

Auch im zweiten Golfkrieg 2003 setzte die irakische Führung und Saddam Hussein wieder die „Ölwaffe" ein, auch wenn diesmal bedeutend weniger Ölfelder in Brand gesteckt wurden als 1991.

Erdölkonflikte - die Bevölkerung als Leidtragende

Dass es in den Golfkriegen nicht nur um die Verteidigung des Völkerrechts gegangen ist - eine Deeskalation hätte auch anders versucht werden können - sondern auch um den (westlichen) Zugriff auf das irakische Erdöl, ist mittlerweile wohl bekannt. Erdöl schürt aber auch in anderen Kontinenten Konflikte, etwa in Afrika.

Beispiel Sudan und Nigeria

Im Sudan finanzierte die Regierung, so ist einem Bericht aus „Tatort Eine Welt" zu entnehmen, den Krieg in Darfur mit Erlösen aus dem Erdölverkauf an China. Das liegt nahe, denn „China ist seinerseits der größte Waffenlieferant des Sudan". In Nigeria haben vor allem die großen Ölkonzerne des Westens investiert. Nigeria ist der größte Ölproduzent Afrikas und der elfgrößte der Welt. Zudem verfügt das Land über große Erdgasvorkommen. 40 Prozent des Erdöls wird von nur einem Unternehmen gefördert: der Firma Shell, die mit der nigerianischen Regierung zusammenarbeitet. Die Shell Petrolium Development Company ist ein Joint Venture-Unternehmen mit der Regierung Nigerias.

Doch bislang konnte der Großteil der NigerianerInnen noch nicht vom Erdölreichtum des Landes profitieren - Nigeria zählt heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Bevölkerung leidet aber an den ökologischen Folgen. Shell und andere Erdölunternehmen haben das Niger-Delta praktisch gänzlich in ein von Abfackelung und Ölteppichen schwer gezeichnetes Ödland verwandelt. Das Abfackeln von Gas, bei dem das bei der Erdölförderung entweichende Gas einfach angezündet wird, statt es einer Nutzung zuzuführen, verursacht gewaltige gesundheitliche Auswirkungen, so der bereits zitierte Bericht des Umweltinstituts SERI gemeinsam mit Friends of the Earth und Global 2000.

Die Bevölkerung hat nichts von den Verkaufserlösen. Sie wird mit Waffengewalt vertrieben, wenn Siedlungen im Weg sind oder die Menschen gegen die Zerstörung ihrer Umwelt aufbegehren. Der Schriftsteller Ken Saro-Wiwa von der Volksgruppe der Ogoni war einer der Anführer einer Bewegung, die sich gegen die Zerstörung des Landes durch die Erdölausbeute durch die Firma Shell zur Wehr setzte. Er und acht Mitangeklagte wurden 1995 in einem Scheinprozess zum Tode verurteilt.

(hh)

Lesetipps und Quellen:

Irene Grosseger: Umweltkatastrophe Golfkrieg. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/13/13236/1.html

Florian Rötzer: Öl - die andere Massenvernichtungswaffe. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14174/1.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Golfkriegssyndrom

Karl Albrecht Immel, Klaus Tränkle: Tatort Eine Welt. Wuppertal: Peter Hammer-Verlag, 2007.

Ohne Maß und Ziel. Über unseren Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Erde. SERI u.a. Wien, 2009.

http://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Dutch_Shell

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kuwait_burn_oilfield.png


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