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Armut und Hunger

Die Welt insgesamt war nie so reich wie heute. Doch nicht nur der Wohlstand, sondern auch der Hunger ist in den letzten Jahren weiter angestiegen. Gemäß neuer Daten der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organisation) leiden derzeit 1,02 Milliarden Menschen Hunger (Stand 2010). Von diesen leben 642 Millionen in asiatischen und pazifischen Ländern und 307 Millionen in Afrika und dem Nahen Osten. Weltweit ist die Zahl der Hungernden seit 1970 höher denn je. Nahezu ein Fünftel der Menschen in den Entwicklungsländern ist gegenwärtig unterernährt.

Die Ursachen für Hunger sind vielfältig: sie reichen von ineffizienter Landwirtschaft in Entwicklungsländern, denen die Mittel für Modernisierung fehlen, über die Zerstörung fruchtbarer Böden durch Intensivbewirtschaftung, häufig durch Monokulturen für den Export oder nun Biosprit, bis hin zur fehlenden Kaufkraft vieler Menschen, die sich nicht genügend Lebensmittel leisten können.

„Neue Massenvernichtungswaffe"

Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, meint pointiert, dass Hunger gemacht wird: Verschuldungsdruck, Spekulation mit Nahrungsmitteln und eine unfaire Weltagrarhandelspolitik nennt er als Gründe. Ziegler spricht vom Hunger als der neuen „Massenvernichtungswaffe" des 21. Jarhhunderts.
Zentrales Ziel von Entwicklungszusammenarbeit sowie von internationaler Wirtschafts- und Handelspolitik müsste demnach sein, die Geißel des Hungers endlich auszurotten. Eine der Initiativen, die sich dieser Aufgabe verschrieben hat, ist die Deutsche Welthungerhilfe. Sie teilt Befürchtungen nicht, dass es unmöglich sei, alle ErdenbürgerInnen mit genug Nahrung zu versorgen. So sei laut der FAO in den vergangenen 30 Jahren, in denen die Weltbevölkerung um 75 Prozent gewachsen ist, die globale Nahrungserzeugung pro Kopf stetig gestiegen.

Ertragssteigerungen möglich

Mit Hilfe von Bewässerung, Kunstdünger und ertragreichen Getreidesorten wurden die Flächenerträge erhöht, besonders in Asien, so ein Bericht der Welthungerhilfe. Die globale Produktion würde genügen, den Hunger zu besiegen. Dennoch gibt es Gründe, für die Zukunft Probleme zu befürchten. Zum einen steigt der Bedarf pro Kopf, weil mit wachsendem Wohlstand mehr Fleisch, Milch und Eier gegessen werden, für deren Erzeugung große Mengen Getreide und Soja gebraucht werden. Zum anderen kann die landwirtschaftlich genutzte Fläche nur noch in Teilen Afrikas erheblich ausgeweitet werden.
Für Siedlungen und infolge Desertifikation (Wüstenbildung) geht fruchtbarer Boden verloren. Die Flächenerträge können mit gängigen Techniken nur in Afrika noch stark erhöht werden, und das für Bewässerung nötige Wasser wird in vielen Regionen knapp. Der Klimawandel und die Überfischung der Meere bringen zusätzliche Risiken. Zudem genügt die Produktion im globalen Durchschnitt, aber nicht in allen Regionen: 2005 konnten laut der FAO 34 Länder ihre Bevölkerung nicht selbst ernähren, davon 23 in Afrika und acht in Asien.

Problemregion Afrika

In Afrika ist die Pro-Kopf-Produktion seit 1970 gesunken; Kriege und grobe Misswirtschaft nennt die Deutsche Welthungerhilfe als die wichtigsten Ursachen dafür. Ein Nahrungsdefizit kann im Prinzip freilich mit Importen ausgeglichen werden, gerade die ärmsten Länder können das aber kaum bezahlen. Zur Sicherung der Welternährung sei daher, so die Deutsche Welthungerhilfe, eine Kombination zahlreicher Maßnahmen nötig, zu denen Innovationen in der Agrartechnik ebenso gehören wie gute Regierungsführung und ländliche Entwicklung.
Umstritten ist, welchen Beitrag die Grüne Gentechnik sowie, speziell in Afrika, die westliche Agrartechnik leisten kann. Ökologisch und lokal angepasste kleinbäuerliche Anbauweisen halten manche ExpertInnen für den besseren Weg zu einer nachhaltigen Ertragssteigerung.

Der Natur angepasste Landwirtschaftsmethoden

Mehrere Analysen, etwa der „Hungerreport 2004" von Brot für die Welt, die Studie „Slow Trade - Sound Farming" oder der „Weltagrarbericht 2009", zeigen, dass durch naturangepasste Anbaumethoden und die Förderung der Kleinlandwirtschaft die meisten Erfolge zu erzielen sind. So bewirtschaften in Afrika südlich der Sahara beispielsweise 80 Prozent der Bauern nur bis zu 2 Hektar Boden.
Die Förderung der Kleinbauern und -bäuerinnen, die Vermittlung naturangepasster Anbaumethoden wie Misch- oder Terrassenkulturen sowie der Einsatz intelligenter moderner Technik wie Tröpfchenbewässerung sind diesen Berichten zu Folge am besten in der Lage, die Ernährungssituation vor Ort und aus eigenen Kräften zu verbessern (Stichwort Ernährungssouveränität). Ein wichtiges Ziel wäre die stärkere Umleitung von Entwicklungshilfemitteln auf landwirtschaftliche Projekte sowie deren Ausweitung (s. Entwicklungszusammenarbeit).

(hh)

Quellen und Lesetipps

Jean Ziegler: Wie kommt der Hunger in die Welt. Ein Gespräch mit meinem Sohn. München, Goldmann TB, 2006.

Jean Ziegler: Das Imperium der Schande. München, Bertelsmann, 2005.

Brot für die Welt: Naturangepasste Anbaumethoden. Welthungerreport 2004. Brandes & Apsel, 2004

IAASTD (International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development ): Synthesis Report (Weltargarbericht), Washington D. C., 2009.

www.agassessment.org/docs/SR_Exec_Sum_280508_English.pdf:

Heinrich Böll-Stiftung: Slow Trade - Sound Farming. Berlin, 2008.

http://www.boell.de/wirtschaftsoziales/welthandel/welthandel-967.html

http://www.welthungerhilfe.de/thema-welternaehrung.html

Hans R. Herren: Nahrungsmittelproduktion in der Sackgasse. Die alten Konzepte taugen nicht mehr. In: Petra Gruber (Hg.): Wie wir überleben! Ernährung und Energie in Zeiten des Klimawandels. Opladen, Verlag Barbara Budrich, 2010.

Bildquelle: http://www.sxc.hu/photo/1138186


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