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Sozialer Wiederaufbau

Ein Krieg oder Konflikt bringt nicht nur Schäden der Infrastruktur des jeweiligen Landes, sondern auch Traumatisierungen der Bevölkerung durch Vertreibungen, Kriegsverbrechen oder Menschenrechtsverletzungen mit sich. Das Zusammenleben ehemaliger Konfliktparteien und die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse wie Vergewaltigungen oder Verluste von Familienmitgliedern gestalten sich schwierig. Nach Kriegen ist es besonders wichtig, Flüchtlinge und ehemalige Kämpfer wieder in die Gesellschaft einzugliedern und gesellschaftliche Versöhnung und Trauerarbeit möglich zu machen.

Konfliktursachen wie strukturelle Ungleichheiten müssen behandelt und eine Kultur des Friedens entwickelt werden. Über eine Stärkung des Bildungswesens und den Aufbau einer starken Zivilgesellschaft können zukünftige Konfliktherde frühzeitig verhindert werden.
Sozialer Wiederaufbau soll kein generelles Vergessen der schrecklichen Kriegsereignisse, sondern eine Aufarbeitung von Ursachen und Folgen des Krieges und die Identifikation von Verantwortlichkeiten mit sich bringen.

Man unterscheidet mehrere Wege der Aufarbeitung und Bewältigung vergangener, politisch motivierter Verbrechen. Neben einer Generalamnestie der Täter - also einem Erlass von Strafen - besteht die Möglichkeit von Strafprozessen nach dem Vorbild der Nürnberger Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Vergangenheitsbewältigung im Rahmen von Versöhnungs- und Wahrheitskommissionen gilt als Alternative. Die TäterInnen sollen in die Gesellschaft reintegriert werden und ihren Beitrag zu Wiedergutmachung und Versöhnung leisten, während die Opfer für ihre Leiden entschädigt werden. Nicht kollektives Vergessen oder das Ausliefern und Anprangern der Täter, sondern ein breit angelegter Selbstreflexionsprozess steht im Mittelpunkt. Die Anerkennung historischer Fehltaten soll den Weg hin zu einer demokratischen politischen Ordnung, einer friedlichen Gesellschaft und einer selbstkritischen Staatsvision bereiten, denn:
„Wer sich der Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen" (George de Santayana, zit. in: WVK Südafrika 2000, 373).

 

Am Beispiel: Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika 

Im Jahre 1994 endet formell die Apartheid, also die Politik der Rassentrennung und der systematischen Diskriminierung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit, in Südafrika. In Folge stellt sich die Frage nach dem Umgang mit dem Erbe dieser rassistischen Staatsdoktrin. Die südafrikanische TRC („Truth and Reconciliation Commission") widmet sich in den Jahren 1996 bis 1998 der Untersuchung von während der Apartheid begangener, politisch motivierter Verbrechen. Das Motto der südafrikanischen Kommission lautet: „Durch Wahrheit und Entschädigung zur Versöhnung".
Die Opfer der grausamen Apartheid-Politik sollten im Rahmen der Wahrheits- und Versöhnungskommission das Recht erhalten, ihre Geschichte und ihr Leid zu erzählen. Um viele Menschen auf das begangene Unrecht aufmerksam zu machen, fanden öffentliche Anhörungen der Opfer und der Täter statt. Dieser kollektive Erinnerungsprozess durch die Aufarbeitung vergangener Menschenrechtsverletzungen und Gewalttaten konnte bei der Bevölkerung ein bewusstes Verständnis der Vergangenheit schaffen. Der Grundstein für einen demokratischen Aufbau des jungen südafrikanischen Staates war gelegt.

(akr)

Links und Lesetipps

Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit GTZ: Stabilisierung und Wiederaufbau: http://www.gtz.de/de/praxis/6597.htm (abgerufen am 13.10.2009).

International Center for Transitional Justice: http://www.ictj.org/en/index.html (abgerufen am 14.10.2009).

Dokumentations- und Kooperationszentrum Südliches Afrika SADOCC in Wien
http://www.sadocc.at/ (abgerufen am 13.10.2009)

„Centre for the Study of Violence and Reconciliation" in Johannesburg
http://www.csvr.org.za/ (abgerufen am 13.10.2009)

Truth and Reconciliation Commission South Africa, offizielle Homepage: http://www.doj.gov.za/trc (abgerufen am 13.10.2009)

Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung: Apartheid: http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=H5U7X7 (abgerufen am 14.10.2009)

Quellen

Robert Rotberg; Dennis Thompson (Hg.)(2000): Truth v. justice:the morality of truth commissions, Princeton and Oxford: Princeton University Press, S. 33.

WVK Wahrheits- und Versöhnungskommission Südafrika (2000): Das Schweigen gebrochen: „Out of the shadows". Geschichte - Anhörungen - Perspektiven, Wien: Brandes&Apsel, Südwind, S. 362.

Emily Hahn-Godeffroy (1998): Die südafrikanische Truth and Reconciliation, Recht und Verfassung in Südafrika, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 37.

Arthur Fürnhammer (1999): The South African Truth and Reconciliation Commission, Diplomarbeit Völkerrecht, Universität Salzburg, S. 29.

Mark Hay (1999): Grappling with the Past. The Truth and Reconciliation Commission of South Africa. In: African Journal on Conflict Resolution, Vol. 1, No. 1, 1999, S. 29-51, hier 31.

WVK Wahrheits- und Versöhnungskommission Südafrika (2000): Das Schweigen gebrochen: „Out of the shadows". Geschichte - Anhörungen - Perspektiven, Wien: Brandes&Apsel, Südwind, S. 363.

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Handshake.jpg (abgerufen am 30.10.2009). 


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