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Klimawandel

Der UN-Klimabeirat, ein internationales Gremium von ExpertInnen, rechnet mit einer globalen Erwärmung um bis zu 5 °C bis zum Ende dieses Jahrhunderts, wenn nicht gegengesteuert wird. Die Forschung geht jedoch von einer maximal verkraftbaren Erwärmung von 2 °C aus. Andernfalls seien größere Katastrophen und Umweltkonflikte nicht zu verhindern.

Der Klimawandel kann nicht mehr gestoppt, sondern nur mehr gebremst werden. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Nicht-Handelns werden, so eine britische Studie, bis zu 20 Mal teurer sein als Klimaschutzmaßnahmen. Die Frage lautet daher nicht, was es kostet, wenn wir etwas tun, sondern, was es kostet, wenn wir nichts tun!

Das Verbrennen aller verfügbaren fossilen Energiereserven würde, so die einhellige Meinung der ExpertInnen, das Weltklima derart aufheizen, dass das Management der Folgen nicht mehr möglich wäre. Die Wohlstandseinbußen würden ein Vielfaches dessen ausmachen was die Umsteuerung jetzt kostet. Das „2 Grad Celsius"-Ziel erfordert eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 80 Prozent bis zum Jahr 2050! Im Klartext heißt dies, dass nicht alle noch verfügbaren fossilen Ressourcen verheizt werden dürfen.

Mindestziel: Minus 50 Prozent

Im Zuge des UNO-Gipfels in New York im Herbst 2007 wurden folgende Zielmarken gesetzt: Auf Basis der Daten aus dem Jahr 2007 wurde bestimmt, dass bis zum Jahr 2050 der CO² Ausstoß global zumindest um die Hälfte reduziert werden muss. Manche ExpertInnen fügen allerdings noch hinzu, dass bis zu diesem Zeitpunkt Gerechtigkeit unter den EnergieverbraucherInnen hergestellt werden müsse. Denn im Moment ist der Energieverbrauch der BewohnerInnen verschiedener Länder sehr unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, dass in Zukunft von einem Pro-Kopf-Verbrauch ausgegangen wird, und der muss bis 2050, so der Bund Naturschutz in Deutschland, auf 1,5 Tonnen CO²-Ausstoß pro Kopf gesenkt werden.

Der momentane Verbrauch liegt in den USA bei 20 Tonnen pro Kopf, 10 Tonnen pro Kopf innerhalb der EU, etwas mehr als 4 Tonnen in China, jedoch nur 0,9 Tonnen in Kenia und 0,4 Tonnen pro Kopf in Bangladesch. Notwendig sind internationale Vereinbarungen über Höchstgrenzen, an die sich alle Staaten halten müssen. Derzeit stammen allein aus den USA und China gut 40 Prozent aller Treibhausgase.

Klimawandel ist ein Menschenrechtsthema

„Afrika produziert die mit Abstand wenigsten Treibhausgase, ist aber von den Auswirkungen am stärksten betroffen", erklärt der Experte für Klimawandel und Entwicklung von CARE, Charles Ehrhart. „Der Klimawandel ist deshalb nicht nur ein Umweltthema. Er ist ein Menschenrechtsthema." Als Mitarbeiter, der laufend in den CARE-Projektländern unterwegs ist, wird Ehrhart täglich und hautnah mit den Auswirkungen konfrontiert: „Viele Menschen in Afrika oder Asien haben noch nie vom Begriff ‚Klimawandel' gehört, aber sie erklären mir, dass der Regen jedes Jahr spärlicher wird und die Felder kaum mehr einen Ertrag abwerfen. Und sie sorgen sich deshalb um ihre Zukunft." Vor allem für Teile Afrikas werden schon bis zum Jahr 2020 Ernteeinbußen um die Hälfte prognostiziert. Die Folgen sind gravierend, inzwischen sind 20 Millionen Menschen aus Klimagründen auf der Flucht. Eine aktuelle von CARE International, dem "Institute for Environment and Human Security" der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) und dem International Earth Science Information Network (CIESIN) der Columbia Universität verfasste Studie zu Klimawandel und Migration (2009) warnt vor Flüchtlingsbewegungen in bisher ungeahntem Ausmaß.

Der Wissenschaftliche Beirat der (deutschen) Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen" (WBGU) hat in einer Studie Konfliktherde durch den menschengemachten Klimawandel dargestellt.

Klimaschutz geht uns alle an

Wir alle sind von den Folgen durch den Klimawandel betroffen - auch wenn die ärmeren Menschen in den Ländern des Südens die Hauptleidtragenden sein werden. Klimaschutz geht daher uns alle an. Gefordert sind wir als Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Politik und die Wirtschaft. Besonders wichtig ist dabei eine ganzheitliche Sicht. Das heißt ein Blick auf unseren Lebensstil insgesamt. Mit einer einzelnen Maßnahme ist es nicht getan. Wer etwa sein Haus besser isoliert und so weniger Heizenergie verbraucht, spart Geld und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Werden die gesparten Kosten aber etwa für Flugreisen ausgegeben, ist der Klimaschutzeffekt wieder aufgehoben.

Ohnmacht entgegen wirken

Viele fühlen sich ohnmächtig angesichts der warnenden Berichte über die drohenden Gefahren durch einen Klimawandel. Was kann ich als Einzelne/r schon dagegen tun? Die Zweifel sind verständlich, aber doch zu entkräften. Wenn ein/e Einzelne/r sich umweltfreundlicher verhält, so bewirkt dies wenig. Doch wenn es viele Einzelne tun, dann ist die Wirkung groß. Dann können wir den Umschwung schaffen. Und: Vorbilder wirken ansteckend!

Das Richtige tun und von allen fordern

Wichtig ist zu bedenken, was mit welchen Maßnahmen erreicht werden kann. Häufig werden jene Dinge umgesetzt, die am leichtesten zu machen sind, nicht selten aber der Gewissensberuhigung dienen. Man spricht hier vom „Marmelade-Mallorca-Phänomen": Mallorca-Urlauber beschweren sich aus Umweltschutzgründen, weil sie zum Frühstück Marmelade aus der Plastikpackung serviert bekommen und bedenken dabei nicht, dass durch ihre Flugreise bedeutend mehr CO2 emittiert wurde.
Es geht um die Summe der Spuren bzw. Treibhausgase, die wir durch unseren Lebensstil hinterlassen - also um unseren ökologischen Fußabdruck auf der Erde. Und es geht um die Summe der Spuren aller, d. h. um einen Wandel, an dem alle beteiligt werden. Letztlich muss der Schutz unserer Lebensgrundlagen zur neuen für alle Bürger gültigen Normalität werden, nicht nur das Anliegen einiger Umweltverantwortlicher.

Die größten Einsparpotenziale für Treibhausgase liegen in den Bereichen:

  • Wohnen: auf gute Wärmedämmung achten, Räume nicht überheizen, auf Biomasse- oder Fernwärme umsteigen, nur energiesparende Geräte verwenden, Standby-Betrieb unterbinden,
  • Mobilität: wenig oder gar nicht mit dem Auto fahren, zB zur Schule; die Eltern anregen, auf ein Niedrigverbrauchsauto umzusteigen
  • Ernährung: Fleisch nur in Maßen, das ist gesünder und spart auch Treibhausgase (denn Masttierhaltung ist energie- und CO2-intensiv)
  • Freizeit: wohldosierte Urlaubsreisen, sich auf das Abenteuer von Zugreisen einlassen, Flugzeugreisen meiden.
  • Konsum: da in allen Produkten, z. B. PCs, Handys usw. Herstellungsenergie steckt, macht es Sinn Produkte lange zu nutzen. Es muss nicht immer der neueste Schrei sein, der ohnedies rasch veraltet!
(hh)

Links und Materialien

www.care.at/de/projekte/klimawandel.html

www.klimabuednis.at

Berhard Pötter: Tatort Klimawandel. Täter, Opfer und Profiteure einer globalen Revolution. Ökom, München, 2008.

Klaus Füsser: Bin ich eine Klimasau? Klima schützen und damit besser leben. Riemann, München 2008.

Klimaschutz praktisch. Tipps für klimafreundliches Alltagshandeln. Download: http://www.salzburg.gv.at/broschuere-klimaschutz.pdf

Helga Kromp-Kolb, Herbert Formayer. Schwarzbuch Klimawandel. Wie viel Zeit bleibt uns noch? Ecowin Verlag, Salzburg 2005.

Al Gore. Eine unbequeme Wahrheit. Die drohende Klimakatastrophe und was wir dagegen tun können. Riemann Verlag, München 2006.

Ekardt, Felix: Cool down. 50 Irrtümer über unsere Klima-Zukunft. Herder, Freiburg 2009.

Welt im Wandel: Sicherheitsrisiko Klimawandel. WBGU 2007,
Download: http://www.wbgu.de/wbgu_jg2007.html

Bildquelle: http://www.wbgu.de/Images/jg2007_de/Abb_8_1-3.pdf 


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