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Ästhetisierung

Die Ästhetik (griechisch aísthesis = Wahrnehmung) ist eine Philosophie der Wahrnehmung. Sie ist die Lehre von der sinnlichen Erkenntnis und Theorie des Schönen. Ästhetisierung bedeutet, dass etwas, das ursprünglich nicht aus dem Kunstbereich kommt, aus dem Blickwinkel von Schönheit gestaltet oder betrachtet wird. Wenn Kriegsfotografien als Kunstwerke wahrgenommen oder gehandelt werden, können die FotografInnen mit dem Vorwurf von Ästhetisierung von Schrecken und Leid konfrontiert werden.

Ein schönes Bild vom Leiden?

Eine Frage die sich bei Kriegsfotojournalismus stellt ist: Was bedeutet es, wenn Bilder, die vom Leiden anderer Menschen erzählen als etwas Ästhetisches empfunden werden? Wenn Kriegsfotografien in Kunstgalerien ausgestellt und als zeitgenössische Kunst verkauft werden? Vielen preisgekrönten FotografInnen kann der Vorwurf der Ästhetisierung gemacht werden. Sie haben jedoch Dokumente über Krieg und Leid geliefert, von denen wir ohne diese Bilder möglicherweise viel weniger Zugang und Ahnung hätten. Und sie riskieren sehr viel für diese Bilder.

Der jährlich verliehene World Press Photo Award und die dazugehörige Wanderausstellung sind ein Beispiel für das Spannungsfeld in dem Kriegsbilder stehen - zwischen harter Realität von Schutt und Asche und der Betrachtungsweise unter ästhetischen Gesichtspunkten. James Nachtwey, der im Folgenden als Beispiel für Ästhetisierung dargestellt wird, hat den World Press Photo Award zweimal gewonnen.

 

Am Beispiel: James Nachtwey

 „Ich war ein Zeuge und diese Bilder sind mein Beweis. Die Ereignisse, die ich aufgenommen habe, sollten nicht vergessen werden und dürfen nicht wiederholt werden." (James Nachtwey)

James Nachtwey ist einer der größten Kriegsfotografen. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts hat er sein Leben der Dokumentation von Kriegen, Konflikten und kritischen, sozialen Themen gewidmet. Er war unter anderem in Afghanistan, Kosovo, El Salvador, Tschetschenien, Westbank und Gaza. Zahlreiche internationale Preise und Ausstellungen unterstreichen seine große Bedeutung. Darüber hinaus gibt es über James Nachtwey einen Dokumentarfilm mit dem bezeichnenden Titel warphotographer (siehe www.war-photographer.com).

Einer seiner Kritiker - Richard B. Woodward (2010) - wirft Nachtwey vor, er stelle den Schrecken von Krieg und Tod als „ästhetisches Wunder" dar. Nach Woodward orientiere sich Nachtweys Blick mehr an der Ästhetik als an der Wut gegenüber der Grausamkeit. Nachtweys Bilder seien Kompositionen, er nehme sich Zeit dafür Gewaltopfer ins rechte Licht zu rücken. All diese Argumente sind eine Kritik an der Ästhetisierung von Krieg und seinen Folgen durch Fotografie.

(cke)

 

Links und Lesetipps

Susan Sontag (2005): Das Leiden anderer betrachten. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.

Richard B. Woodward (2000): „To Hell and Back, Award-Winning Photographer James Nachtwey Finds the Blood and Gore in Every War". In: The Vilage Voice, verfügbar unter http://www.villagevoice.com/2000-06-06/news/to-hell-and-back/ (abgerufen am 07.08.2010).

http://www.jamesnachtwey.com/ (Offizielle Homepage von James Nachtwey)

http://www.worldpressphoto.org/ (Offizielle Homepage der WorldPressPhoto-Organisation)

http://www.war-photographer.com/ (Homepage zum Film über James Nachtwey)

Quellen

Duden (2001): Das Fremdwörterbuch. Mannheim: Dudenverlag.

Franz von Kutschera (1998): Ästhetik. Berlin: De Gruyter.

Evelyn Runge (2009): Ästhetik des Elends. Thesen zu sozialengagierter Fotografie und dem Begriff des Mitleids. In: IMAGE, Zeitschrift für interdisziplinäre Bildwissenschaft, Juli 2009, verfügbar unter http://www.bildwissenschaft.org/image?function=fnArticle&showArticle=152 (abgerufen am 07.08.2010).

Richard B. Woodward (2000): „To Hell and Back, Award-Winning Photographer James Nachtwey Finds the Blood and Gore in Every War". In: The Vilage Voice, verfügbar unter http://www.villagevoice.com/2000-06-06/news/to-hell-and-back/ (abgerufen am 07.08.2010).

Zitat aus http://www.jamesnachtwey.com/ (abgerufen am 07.08.2010). Übersetzung der Autorin, im Original: "I have been a witness, and these pictures are my testimony. The events I have recorded should not be forgotten and must not be repeated.", James Nachtwey.

Bildquelle: James Nachtwey / Human Suffering http://www.flickr.com/photos/14657061@N00/415683894/


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